Rohstoff in der Region St. Petersburg & Nordwesten

Kanal statt Acker

Rohstoff

Roggenfelder sucht man um St. Petersburg vergeblich. Die Stadt steht auf Sumpf und Newa-Schwemmland, das Klima ist kurz und kühl, der Boden sauer und dünn. Für eine Hauptstadt, die Peter der Große mitten in einer Kriegszeit aus dem Nichts baute, musste Getreide von weit her kommen, sonst hätte weder das Volk noch die Brennerei etwas zu mahlen gehabt.

Die Lösung waren Kanäle. Schon 1709 verband das Wyschnewolotschok-System die Wolga mit der Newa und brachte Getreide- und Holzkähne aus den fruchtbaren Gebieten im Süden bis vor die Stadttore. Im 19. Jahrhundert kamen das Mariinski-Kanalsystem, eröffnet 1810, und der Tichwin-Kanal von 1811 hinzu, zwei weitere Wasserwege zwischen Wolga und Ostsee. Der Roggen für die Hauptstadt reiste also, statt vor Ort zu wachsen.

Heute holen die Brennereien der Stadt ihr Getreide anders, aber immer noch von außerhalb. Russian Standard beschreibt nach eigenen Angaben Winterweizen als Grundstoff, gemahlen und vergoren, bevor er mit dem Wasser aus dem Ladogasee zusammentrifft. Auch das ist eine Fortsetzung derselben Logik: Das Getreide kommt an, das Wasser bleibt vor Ort.

Unter den wenigen Feldern, die es rund um die Stadt trotzdem gibt, liegt kaum mehr als eine Handbreit nutzbarer Boden. Direkt unter der dünnen, sauren Humusschicht der Nadelwälder folgt eine sandig-kiesige Moräne, abgelagert vom Gletscher, der sich vor rund zwölftausend Jahren zurückzog. Wurzeln finden darin wenig Halt, und Wasser läuft fast ungebremst durch.

Darunter liegt dichter Geschiebemergel, der Wasser staut statt es abzuleiten, genau die Eigenschaft, die aus der Gegend über Jahrhunderte Sumpf und Moor machte. Erst tief darunter beginnt der berühmte blaue Kambrium-Ton, auf dem die ganze Stadt buchstäblich gegründet ist. Für Roggen oder Weizen war dieser Boden nie gemacht, für eine Hauptstadt am Wasser dagegen schon.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, saure Nadelwald-Humusschicht, nährstoffarm durch das kühle, feuchte Klima am Finnischen Meerbusen.

Die Wurzel: Roggen und Weizen finden hier kaum Halt und noch weniger Nährstoffe.

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