
Republik & Konzern
Region & Geschichte
Am Ufer der Kama, dort wo der Fluss noch wenige Kilometer bis zur Wolga hat, wird seit Jahrhunderten gebrannt. Reisende erwähnten kasanischen Wodka schon 1599, lange bevor es den Namen Tatarstan gab. Im 19. Jahrhundert galt der „Pennik“ als bekanntester Tropfen der Stadt, ein rund fünfzig Grad starkes Destillat, das durch Lindenholzkohle lief, nicht durch die Birkenkohle, die heute Standard ist.
Zur Sowjetzeit gehörten die Brennereien dem Staat, wie überall im Land. Nach 1991 blieb das Prinzip lokal erhalten: 1997 gründete die Regierung der Republik Tatarstan per Erlass die Holding Tatspirtprom und bündelte darin zwei Spritfabriken, zwei Likör-Wodka-Werke, eine Weinkellerei und den eigenen Vertrieb. Anders als in vielen russischen Regionen blieb der Alkoholsektor damit in staatlicher, aber republikeigener Hand.
Der Aufstieg zahlte sich aus. Laut der Wirtschaftszeitung Kommersant übernahm Tatspirtprom 2024 die Spitzenposition unter Russlands Wodkaherstellern und behauptete sie 2025 zum zweiten Mal in Folge. Rund 13,2 Millionen Dekaliter Alkohol stellte der Konzern 2025 her, mehr als jeder andere Betrieb im Land.
Der Erfolg weckte Begehrlichkeiten in Moskau. Ende Dezember 2025 genehmigte die russische Kartellbehörde FAS den Kauf sämtlicher Anteile durch den staatlichen Konzern Rosspirtprom. Nach fast dreißig Jahren als Eigentum der Republik geht Tatarstans größte Brennerei damit an einen föderalen Eigentümer über, ein Einschnitt, den die lokale Presse offen als Verkauf einer Alkoholholding beschrieb.
Baschkortostan ging einen ähnlichen Weg, nur früher und kleinteiliger. Schon im 18. Jahrhundert brannten Gutsherren auf ihren Landgütern eigenen Sprit, Ende der 1920er Jahre fasste die sowjetische Verwaltung die Betriebe zur Baschkirischen Spirtprom zusammen. Im Jahr 2000 folgte die heutige Struktur: Das Kabinett der Republik gründete den Staatsbetrieb Baschspirt und vereinte sieben Fabriken, darunter die Kombinate in Belebei, Ischimbai und Birsk, unter einem Dach.