
Zarenhof & Krieg
Region & Geschichte
Nemyriv liegt am Südlichen Bug, mitten in der Landschaft, die man früher Podolien nannte und die heute zur Oblast Vinnytsia gehört. Der Name der Stadt taucht im Zusammenhang mit Wodka schon 1752 auf, doch erst 1872 wurde daraus ein richtiges Werk: Graf Grigori Stroganow gründete hier die größte Brennerei der Region.
Seine Tochter, Fürstin Maria Schtscherbatowa, führte den Betrieb weiter und änderte die Rezeptur grundlegend. Statt aus Kartoffeln brannte sie den Wodka fortan aus Weizen, dem Getreide, das auf der Schwarzerde ringsum am besten gedeiht. Die Brennerei belieferte bald den Zarenhof, und der Name Nemyriv stand weit über Podolien hinaus für Qualität.
Aus dem Gutsbetrieb wurde im Lauf des 20. Jahrhunderts ein Industriewerk, aus dem Werk später die Marke Nemiroff. Heute zählt sie zu den größten Wodkaherstellern der Welt, ihre Flaschen stehen in mehr als 81 Ländern im Regal, und im zollfreien Verkauf der Flughäfen gehört sie zu den drei meistverkauften Wodkamarken überhaupt.
Am 24. Februar 2022 erreichte der russische Angriffskrieg auch Nemyriv, und Nemiroff musste die Produktion in den ersten Kriegstagen vorübergehend einstellen. Am 14. Juli desselben Jahres schlugen russische Raketen im nahen Vinnytsia ein und töteten mehr als zwanzig Menschen, darunter Kinder. Die EU wertete den Angriff als Kriegsverbrechen.
Die Brennerei in Nemyriv arbeitet trotzdem weiter, und der Weizenwodka aus Podolien wird nach wie vor gebrannt, so wie es Fürstin Schtscherbatowa vor mehr als hundertfünfzig Jahren begonnen hat.