Rohstoff in der Region Podolien

Weizen auf Schwarzerde

Rohstoff

Wer im Spätsommer durch die Felder um Nemyriv fährt, sieht bis zum Horizont fast nur Weizen. Die Ähren stehen goldgelb und schwer vom Korn, unterbrochen nur von schmalen Feldwegen und einzelnen Pappelreihen. Die Erde darunter ist schwarz, tiefschwarz. In ganz Europa kennt man sie nur unter einem Namen: Schwarzerde, auf Ukrainisch Tschornosem.

Mehr als fünfundsechzig Prozent der ukrainischen Ackerfläche bestehen aus diesem Boden. Damit gehört die Ukraine zu den drei größten Weizenproduzenten der Welt. Podolien, auf Ukrainisch Podillia, liegt mitten in diesem Gürtel, der sich von hier aus über Tausende Kilometer bis nach Russland zieht.

Als Fürstin Schtscherbatowa 1872 die Rezeptur umstellte, entschied sie sich gegen die Kartoffel. Sie wählte das Getreide vor der eigenen Haustür: Weizen. Er bringt einen milderen, leicht süßlichen Grundton in den Wodka als Kartoffeln oder Roggen. Genau dieser Ton prägt die Nemyriver Brände bis heute.

Unter den Wurzeln zeigt sich, warum der Boden so ertragreich ist. Der Humushorizont reicht oft siebzig Zentimeter tief und speichert Nährstoffe aus Jahrtausenden verrotteter Steppengräser. Darunter beginnt lehmiger Übergangsboden. Ganz unten liegt kalkhaltiger Löss, der wie ein Schwamm Wasser für trockene Sommerwochen zurückhält.

Für den Weizen bedeutet das eine gleichmäßige Versorgung übers ganze Jahr. Sandigere Böden anderswo bringen viel stärkere Ernteschwankungen mit sich. Diese Verlässlichkeit trägt den podolischen Wodka von Anfang an, lange bevor er in die Kolonne kommt.

Auch Roggen und Mais wachsen in Podolien. Für Wodka aber bleibt der Weizen das Maß, an dem sich Nemyriv bis heute orientiert.

Grab dich durchSchicht antippen

Tiefschwarz und locker, reich an Humus aus Jahrtausenden verrotteter Steppengräser.

Die Wurzel: Weizenwurzeln finden hier auf ganzer Tiefe Nährstoffe und Wasser, das lässt die Ähren gleichmäßig groß werden.

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