
Kosaken & Zarenmonopol
Region & Geschichte
Auf Chortyzja, der größten Insel im Dnipro, trafen sich 1103 und 1224 die Fürsten der Kiewer Rus. Sie zogen von hier gegen Kumanen und Tataren in die Steppe. Die Insel liegt mitten im Strom, umgeben von Stromschnellen. Schon damals war sie ein Treffpunkt zwischen Wald, Steppe und Wasser, lange bevor hier Wodka floss.
In den 1550er Jahren baute Fürst Dmytro Wyschnewezkyj, im Volksmund Baida genannt, eine erste Festung auf Mala Chortyzja, wenige Kilometer flussaufwärts von der späteren Sitsch. Daraus wuchs die Saporoger Sitsch, die Kosakenrepublik, die sich selbst verwaltete und dem Krieg wie dem Fest gleich viel Zeit gab. Zarin Katharina die Zweite löste die Sitsch 1775 gewaltsam auf, doch der Name Kosake blieb im ganzen Umland trotzdem ein Ehrentitel.
1894 richtete das Zarenreich ein staatliches Branntweinmonopol ein, das den privaten Brennereien die Kontrolle über ihr eigenes Geschäft entzog. Die Steuer auf jeden Liter floss von da an direkt an den Staat, nicht mehr an lokale Pächter. Ein Jahr später ließ Zar Nikolaus der Zweite in Solotoniska südlich von Kiew die Brennerei Slatohor errichten, mitten im Schwarzerdegürtel, dort wo Weizen und Roggen am dichtesten wuchsen.
Die Sowjetzeit machte aus den Landbrennereien große Kombinate. Sie produzierten nach Plan, nicht nach Ernte. Erst nach der Unabhängigkeit 1991 entstanden wieder eigene ukrainische Marken. 2003 lief in Saporischschja bei Chortyzja eine neue Anlage an. Sie gehört heute zur Kiewer Holding Global Spirits und benannte ihren Wodka nach der Insel.
Seit dem russischen Überfall im Februar 2022 liegt Saporischschja nah an der Front. Die Stadt wurde wiederholt beschossen, doch die Brennerei blieb in Betrieb. Getreideexporte über die Schwarzmeerhäfen brachen zeitweise ein. Sie liefen erst 2022 über ein neues Abkommen wieder an. Der Schwarzerdegürtel, aus dem der Wodka der Region seinen Weizen bezieht, ist seither auch Kriegsgebiet.