
Weizen & Schwarzerde
Rohstoff
Wer im Sommer von Kiew Richtung Süden fährt, sieht stundenlang nur Weizen. Die Kornkammer beginnt praktisch vor den Toren der Hauptstadt. Sie zieht sich über Tscherkassy und Poltava bis an den Dnipro-Bogen bei Saporischschja.
Unter diesen Feldern liegt Schwarzerde, auf Ukrainisch Tschornosem. Sie zählt zu den fruchtbarsten Böden der Welt. Rund 44 Prozent der Landesfläche sind damit bedeckt. Die dunkle, krümelige Humusschicht entstand über Jahrhunderte aus verrottendem Steppengras.
Auf den Feldern selbst dominiert Winterweizen. Daneben wächst Roggen auf den etwas sandigeren Randlagen. Beide Getreidearten reifen in einem Klima mit kalten Wintern und heißen, oft trockenen Sommern. Das gibt dem Korn eine feste Schale und einen hohen Stärkeanteil.
Für den Wodka zählt vor allem, wie sauber die Maische aus diesem Getreide vergärt. Weizen aus der Schwarzerde liefert viel Stärke bei wenig Eiweiß. Das macht die Maische klarer. Auch der Rohalkohol wird dadurch von Anfang an weicher, noch bevor überhaupt destilliert wird.
Roggen aus denselben Landstrichen bringt dagegen etwas mehr Schärfe mit. Dazu kommt eine leicht brotige Note, die auch nach der Rektifikation noch durchschimmert. Brennereien wie die bei Saporischschja oder die Anlage in Solotoniska kaufen ihr Getreide traditionell aus dem unmittelbaren Umland, nicht von weither.
Nach der Ernte im Spätsommer liegt das Getreide oft nur wenige Wochen in den Silos. Dann wird die erste Maische des Jahrgangs angesetzt. So bleibt der Wodka der Region eng an den Rhythmus der Felder gebunden, Jahr für Jahr aufs Neue. Das prägt bis heute den Charakter jedes Wodkas von hier.
tiefschwarze, krümelige Humusschicht aus jahrhundertelang verrottetem Steppengras
Die Wurzel: hier holt sich der Winterweizen die meisten Nährstoffe und die Kraft für ein dichtes Ährenfeld