
Emigrant und Deal
Region & Geschichte
1933 kauft der russische Emigrant Rudolph Kunett der Firma Pierre Smirnoff Sons die Rechte an Marke und Rezeptur für die USA, Kanada und Mexiko ab. Ein Jahr später eröffnet er in Bethel, einer kleinen Stadt in Connecticut, die erste Wodka-Brennerei Amerikas. Der Verkauf bleibt mager: knapp 6.000 Kisten im Jahr, denn die meisten Amerikaner trinken lieber Whiskey. Wodka gilt als exotisches Nischenprodukt ohne Publikum.
1939 verkauft Kunett Marke und Brennverfahren weiter an den Heublein-Manager John G. Martin, für gerade einmal 14.000 Dollar, ein Betrag, der schon damals als deutlich zu niedrig gilt. Vladimir Smirnoff, Sohn des russischen Firmengründers, bleibt im Vorstand, doch das operative Geschäft liegt jetzt in Connecticut bei Heublein. Martin sitzt auf einer Marke, die kaum jemand kennt und noch weniger kauft.
Die Wende kommt 1941, in Hollywood. Martin trifft dort auf Jack Morgan, Besitzer des Restaurants Cock'n Bull am Sunset Strip, der sich mit einer viel zu großen Bestellung Ingwerbier ins eigene Lager manövriert hat. Aus zwei Ladenhütern wird ein Cocktail: Wodka, Ingwerbier, ein Spritzer Limette, serviert im Kupferbecher. Sie nennen ihn Moscow Mule.
Der Drink schlägt ein. Innerhalb weniger Jahre steigt der US-Absatz von Wodka auf rund 200.000 Kisten jährlich, aus einer unbekannten Spirituose wird eine feste Größe in amerikanischen Bars. Jahrzehnte später entstehen aus dieser Öffnung heraus kleine Brennereien quer durchs Land, die mit Kartoffeln aus Idaho, Trauben aus Kalifornien oder Molke aus Vermont experimentieren. Möglich wird das erst, seit die US-Aufsicht TTB 2020 die Vorschrift strich, wonach Wodka ohne eigenen Charakter, Geschmack oder Farbe sein muss.