
Flasche, Glas, Geduld
Verkosten
Wie trinkt man Gueuze richtig? Kühl, nicht eiskalt, bei etwa 8 bis 10 Grad, und aus einem schlichten Glas, das Duft nach oben lässt. Ein Tumbler oder ein dünnes Weinglas reicht. Die Flasche mit Bodensatz kippt man langsam, bis die Hefe unten bleibt.
Cantillon füllt Gueuze in Flaschen zu 37,5 und 75 Zentiliter ab, die zweite Größe teilt man am Tisch. Beim ersten Schluck überrascht die Säure, nach drei Schlucken kommt die Frucht dazu. Wer sauer nicht mag, beginnt mit Kriek.
Kriek gibt es im Café meist als Mort-Subite-Kriek aus der Flasche oder vom Fass. Théophile Vossen, der Wirt von À la Mort Subite, gab auch den Bieren aus seiner Brauerei in der Rue des Capucins diesen Namen.
Taras Boulba von der Brasserie de la Senne trinkt man dagegen aus einer Tulpe oder einem Pokal, gut gekühlt. Der Schaum ist dicht, die Bittere kommt am Ende, der Körper bleibt leicht. Wer die Flaschen mit Korken öffnet, löst vorsichtig den Draht und hält den Korken fest, denn Gueuze hat viel Druck. Das Glas sollte sauber und fettfrei sein, sonst fällt der Schaum zusammen.
Was den Bierkenner wirklich überrascht: Das Aroma verändert sich mit der Temperatur. Eine Gueuze, die im Glas ein paar Minuten steht, wird runder und zeigt mehr Frucht. Geduld ist beim Trinken Teil des Rituals. Wer mehrere Biere hintereinander probiert, beginnt mit dem leichtesten und endet mit dem kräftigsten, damit die Säure den Gaumen nicht überdeckt. Ein Schluck Wasser zwischendurch hilft.