
Gruut statt Hopfen
Hopfen
Hopfen wächst in Ostflandern nicht in nennenswertem Umfang. Der belgische Hopfenanbau konzentriert sich um Poperinge in Westflandern, und was die Brauer hier brauchen, kommt aus diesem und aus anderen Anbaugebieten. Hektarzahlen sind nicht belegt, deshalb gibt es keine.
Spannend ist Gent, denn dort läuft die Geschichte rückwärts. Bevor der Hopfen sich durchsetzte, würzte man Bier mit „Gruut“, einer Mischung aus Kräutern und Gewürzen, die Bitterkeit und Haltbarkeit lieferte. Die Stadtbrauerei Gruut, 2009 von Annick De Splenter gegründet, braut ihre Biere bewusst mit Gruut statt mit Hopfen. Die Ausnahme ist ihr Tripel, das Hopfen enthält.
Was macht Hopfen im Bier überhaupt? Er liefert Bitterkeit, die die Süße des Malzes ausgleicht, und Aromen von Blüte bis Kräuter. Die Bittere misst man in IBU, einer Skala für Bitterstoffe. Der Oud-Bruin-Stil liegt bei 20 bis 25 IBU, also mäßig bitter. Im Vordergrund stehen Malz und Säure, der Hopfen bleibt Beiwerk.
Die Starkbiere der Region sind dagegen deutlich bitterer: Der Stil Belgian Golden Strong Ale, zu dem Delirium Tremens gehört, reicht nach der Norm von 22 bis 35 IBU. Bei einem so kräftigen Bier hält die Bitterkeit die Süße im Zaum, sonst würde es klebrig wirken.
Wer den Unterschied schmecken will, vergleicht ein Gruut-Bier mit einem hopfenbitteren Blond. Das Kräuterbier schmeckt würziger und weniger scharf, die Bitterkeit kommt von einer anderen Pflanze. Für Einsteiger ist das ein guter Weg, um zu verstehen, dass Bier nicht automatisch nach Hopfen schmecken muss.