
Seidla und Steinkrug
Verkosten
Ein Seidla ist in Franken meist ein halber Liter, getrunken aus Glas oder aus dem Steinkrug. Zum Kellerbier greifen viele zum Krug, der das Bier kühl hält und das Trübe verbirgt. Wer im Glas einschenken lässt, sieht Farbe und Hefe und erkennt sofort, wie frisch das Fass ist.
Wie schmeckt Kellerbier? Zuerst nach Brot, danach nach Malz, mit etwas Honig und einem Hauch Heu vom Hopfen. Die Bittere bleibt sanft, die Kohlensäure fein. Im Abgang bleibt etwas Hefigkeit, und das macht den Unterschied zum glatten Flaschenbier.
Vier Beispiele aus der Region zeigen die Bandbreite. Die Brauerei Rothenbach in Aufseß, die Hochstahler Brauerei Reichold und die Brauerei Stadter in Sachsendorf stehen für das Dorfbier aus dem Aufseßtal. Die Klosterbrauerei Weißenohe liegt dagegen am Fünf-Seidla-Steig bei Gräfenberg.
Zur Temperatur gilt: kühl, nicht eiskalt. Zu große Kälte nimmt dem Malz das Aroma, zu große Wärme macht das Bier schwer. Das Fass im Keller sorgt von selbst für die richtige Mitte. Wer das Seidla draußen in der Sonne trinkt, lässt es nicht lange stehen, sondern bestellt lieber kleinere Mengen nach.
Beim Zapfen kommt es auf Ruhe an. Der Wirt lässt das Seidla schräg einlaufen und lässt dem Schaum Zeit, damit das Bier nicht zu viel Kohlensäure verliert. Wer genau hinsieht, merkt, dass die erste Hälfte ein wenig klarer aussieht als die zweite, in der die Hefe aufgewirbelt wird.