
Aroma statt Wucht
Hopfen
Aus Tettnang stammt ein Hopfen, der nach Blüte und Gewürz duftet und kaum nach Wucht. Die Kernsorte heißt schlicht Tettnanger. Sie nimmt etwa 60 Prozent der Fläche ein, also mehr als 600 Hektar, und gilt als feiner Aromahopfen.
Was ist Aromahopfen? Hopfen liefert dem Bier zweierlei: Bittere, die von den Alphasäuren in den Dolden kommt, und Duft, den ätherische Öle tragen. Aromahopfen wird wegen seines Dufts verwendet und kommt oft spät in den Sud, damit das Aroma bleibt. Bitterhopfen dagegen wird vor allem für die Bittere gekocht.
Beides gibt es am See. Die Hochalphasorte Herkules wächst auf rund 300 Hektar und ist nach Angaben der Region die weltweit am häufigsten angebaute Hopfensorte. Insgesamt gibt es hier mehr als 20 Sorten. Seit den 1990er-Jahren kommen Züchtungen aus Hüll dazu, seit 2012 die Flavor Hops, die mit Noten von Melone oder Mandarine auf die Craftbier-Szene zielen.
Die Ernte beginnt um den 25. August und zieht sich durch den September. Dann werden die bis zu gut acht Meter hohen Reben abgeschnitten und die Dolden maschinell gepflückt, früher lief das von Hand. Für 100 Liter Bier braucht man im Schnitt nur etwa 100 Gramm getrockneten Hopfen.
Hersteller nutzen den Tettnanger Hopfen auch außerhalb der Region. Fürstenberg etwa nennt für sein Premium Pilsener eine Mischung aus Hallertauer und Tettnanger Aromahopfen. Der Ruppaner Bodensee Pils setzt laut Brauerei auf fünf Sorten mit Kalthopfung, darunter Tettnang Tettnanger. Kalthopfung heißt: Der Hopfen kommt erst nach dem Kochen ins Bier und gibt Duft, aber kaum Bittere ab.