
Kanne, Tulpe, kühl
Verkosten
Ein Koduõlu im Glas wirkt zunächst unscheinbar: trüb, hellgelb bis bernsteinfarben, kaum Schaum. Der erste Duft ist Wacholder, harzig und leicht nach Gin, dann folgt eine Fruchtnote, die an reife Banane erinnert. Im Mund ist es weich, süßlich, ohne spürbare Bittere, und die wenige Kohlensäure macht es fast cremig.
Ein echtes Beispiel ist das Saaremaa Koduõlu von Pihtla Õlleköök. Die Brauerei im Dorf Pihtla schenkt ihre Biere in einem eigenen Probierraum aus, der Mekituba heißt. Ein Besuch zeigt, wie unterschiedlich zwei Bauernbiere schmecken können, je nachdem, wie viel Wacholder im Filter lag.
Traditionell kommt Koduõlu in die Õllekann, den Bierkrug, aus dem man in größeren Zügen trinkt. Wer es zu Hause einschenkt, nimmt einen Krug oder einen Steinzeugbecher. Die Temperatur liegt eher bei Keller als bei Kühlschrank, denn zu viel Kälte würde die weiche Süße und das Wacholderharz verschlucken.
Beim A. Le Coq Premium, dem hellen Lager aus Tartu, ist das Erlebnis ein anderes. Es ist klar, hellgolden und frisch, mit mäßiger Bittere. Es ist ein Lager für den Alltag, wie es in den Nachbarländern ähnlich getrunken wird.
Öö von Põhjala schließlich gehört in ein kleines, bauchiges Glas, etwa eine Tulpe oder ein Schwenker, und nicht in den Krug. Mit 10,5 Prozent Alkohol trinkt man es in kleinen Schlucken und nicht eiskalt, damit Röstaromen und Süße zur Geltung kommen. Der Schaum ist braun und feinporig.