
Aus der Ferne
Hopfen
In Glasgow wächst kein Hopfen, und das war nie anders. Die Brauereien beziehen ihn aus den Anbaugebieten Englands, Deutschlands oder Tschechiens. In Großbritannien liegen die Hopfengärten vor allem in Kent, Herefordshire und Worcestershire, die Namen Fuggle und East Kent Goldings kennt jeder englische Brauer.
Welche Sorten Tennent's verwendet, hält die Brauerei nicht öffentlich fest. Für ein helles Lager nach Pilsner Art kommen klassisch Sorten aus Žatec in Tschechien oder aus der Hallertau in Frage, zum Beispiel Saazer oder Hallertauer Mittelfrüh. Beim Reinheitsgebot-Bier von WEST liegt der deutsche Hopfen nahe.
Der Hopfen hat zwei Aufgaben. Wird er früh gekocht, gibt er Bittere ab, die den Zucker der Würze ausbalanciert. Wird er spät zugegeben, bringt er Aroma, also Blumiges, Kräuteriges oder Zitrusfrüchte. Gemessen wird die Bittere in IBU, den International Bitterness Units, einer Skala, die mit etwa 10 beginnt und bei kräftigen IPAs über 60 liegt.
Ein Helles nach Münchner Art liegt laut den BJCP-Richtlinien bei 16 bis 22 IBU, ein internationales helles Lager bei 18 bis 25. Das ist mild, und genau so sollen diese Biere schmecken: Der Hopfen hält sich zurück, das Malz führt.
Das schottische Gegenstück, das Scottish Heavy, bleibt mit 10 bis 20 IBU noch zurückhaltender. Wer ein Glasgower Bier probiert, schmeckt also eher Malz und Frische als Hopfenschärfe. Ein IPA aus dem Hopfenbaukasten ist hier die Ausnahme und nicht die Regel, und die großen Marken der Stadt setzen bewusst auf Ausgewogenheit statt auf Wucht.