
Heidekraut statt Hopfen
Hopfen
Hopfen wächst im Hochland nicht. Die Sommer sind zu kurz und zu kühl für die Gerüstanlagen, die man aus Kent oder der Hallertau kennt. Die Brauer der Highlands und Inseln beziehen ihren Hopfen deshalb aus England und anderen Anbauländern.
Dazu passt, dass schottische Biere traditionell nicht stark gehopft sind. Der Stil Scottish Heavy liegt nach dem BJCP-Leitfaden bei nur 10 bis 20 IBU, das ist die Maßeinheit für die Bittere. Zum Vergleich: Ein deutsches Pils kommt auf 22 bis 40. Im Vordergrund steht das Malz, der Hopfen hält nur die Süße im Zaum.
Dass Brauer im Norden Kräuter statt Hopfen verwendeten, ist der Kern der Heidebier-Überlieferung. Man spricht von Gruit, so nannte man auf dem Kontinent die Kräutermischung, mit der man Bier vor dem Hopfen würzte. Was genau die Pikten in ihr Bier gaben, ist nicht überliefert, und die Stevenson-Ballade beantwortet es bewusst nicht.
Williams Bros hat das Heidekraut zum Markenzeichen gemacht: Fraoch Heather Ale heißt nach dem gälischen Wort für Heide. Das Alba mit Kiefernsprossen und der Seetang im Kelpie gehen in dieselbe Richtung: Die Brauerei sucht Würze, die in der Landschaft wächst und nicht aus Kent kommt.
Bittere und Aroma sind zwei verschiedene Dinge. Bittere kommt von lange gekochtem Hopfen, Aroma von Hopfen, der spät in den Kessel fällt. Heidekraut, Kiefernsprossen und Honig liefern eher Duft und Süße als Bittere, und das macht die Biere der Region mild.