
Importierte Bittere
Hopfen
Hopfen wächst in Indien kaum, und Bengaluru macht keine Ausnahme. Die Pflanze braucht kühle Nächte und lange Sommertage, die es auf diesem Breitengrad nicht gibt. Brauer in der Stadt beziehen ihren Hopfen deshalb aus dem Ausland, vor allem als Pellets, gepresste Körner aus getrockneten Dolden, die sich gut lagern und versenden lassen.
Hopfen gibt dem Bier zwei Dinge: Bittere und Duft. Die Bitterstoffe, die Alphasäuren, lösen sich beim Kochen der Würze, der noch ungegorenen Flüssigkeit aus Malz und Wasser. Das Aroma kommt von ätherischen Ölen, die beim Kochen verfliegen, weshalb man Hopfen spät oder sogar kalt im Gärtank zugibt. Die Bittere misst man in IBU, internationalen Bittereinheiten.
Die großen Lager Indiens bleiben bei der Bittere zurückhaltend. Ein Bier wie Kingfisher soll bei Hitze Durst löschen und nicht fordern, und mild gehopfte Lager passen zu scharfen Speisen, weil sie die Zunge nicht zusätzlich reizen.
In den Brewpubs hat sich der Geschmack geändert. Hier trifft man auf kräftig gehopfte Biere im Stil amerikanischer Pale Ales und IPA, mit Aromen von Zitrus, Kiefer und tropischer Frucht. Solche Hopfensorten wie Cascade, Citra oder Mosaic wachsen vor allem in den USA und in Neuseeland und reisen nach Bengaluru.
Damit schließt sich ein Kreis. Der Ausgangspunkt des IPA lag im England des 19. Jahrhunderts, ein helles, stark gehopftes Exportbier, das vor allem in Indien Erfolg hatte. Heute reist der Hopfen in die andere Richtung, aus Amerika und Neuseeland in ein indisches Brauhaus.