
Hopfen aus Übersee
Hopfen
Wächst in Jamaika Hopfen? Nein, jedenfalls nicht für die Brauerei. Hopfen ist eine Kletterpflanze der gemäßigten Breiten. Sie braucht lange Sommertage und eine kalte Winterruhe, und beides gibt es auf 18 Grad nördlicher Breite nicht. Der Hopfen für jamaikanisches Bier kommt deshalb von anderswo, aus Anbaugebieten, in denen er gedeiht. Wer in Kingston ein Red Stripe aufmacht, hält also einen Rohstoff in der Hand, der Tausende Kilometer weit gereist ist. Das gilt für Hopfen und Malz gleichermaßen, nur das Wasser und der Zucker sind von der Insel.
Welche Sorten Red Stripe prägen, nennt die Marke nicht in einer Weise, die sich prüfen ließe. Sicher ist die Aufgabe des Hopfens: Er liefert die Bittere, die den süßlichen Malzkörper ausbalanciert, und Aromen von Kräutern bis Blüte. Die Bittere misst man in IBU, einer Einheit für die Bitterstoffe im Bier. Ein internationales helles Lager liegt nach den Stilrichtlinien der Bier-Richter bei etwa 18 bis 25 IBU, ist also mild.
Beim Stout ist der Hopfen kräftiger. Guinness gibt für sein Foreign Extra Stout an, der Stil sei Anfang des 19. Jahrhunderts mit mehr Hopfen und mehr Alkohol gebraut worden, damit er lange Seereisen in die Karibik übersteht. Hopfen wirkt nämlich auch konservierend: Seine Bitterstoffe hemmen manche Keime.
Die Stilnorm für Foreign Extra Stout nennt 50 bis 70 IBU. Das ist viel, wird aber vom Röstaroma überdeckt. Wer das Stout trinkt, schmeckt zuerst Kaffee, Kakao und Süße. Die Bittere zeigt sich erst im Abgang, wie eine trockene Kante.