
Kelch und Kühle
Verkosten
Wie schmeckt ein Bier aus Québec? Das hängt davon ab, welche der drei Linien im Glas steckt. Ein Molson ist hell, leicht und schlicht. Die Biere aus Chambly und die der Microbrasseries sind dagegen voller und würziger und gehören eher zu den Bieren, die man langsam trinkt.
La Fin du Monde von Unibroue ist als Tripel angelegt: goldgelb, mit Frucht und Würze in der Nase und einem trockenen Ende. Trois Pistoles steht dem dunklen Starkbier nahe und zeigt Trockenfrüchte, Karamell und einen warmen Abgang. Beide sind kräftig, und der Alkohol liegt bei beiden deutlich über dem eines Lagers.
Péché Mortel von Dieu du Ciel! ist das schwarze Beispiel. Es riecht nach Kaffee und Röstung, ist bitter und dicht und läuft zäh ins Glas. Rosée d'Hibiscus aus demselben Haus ist ein Weizenbier mit Hibiskusblüten und gehört geschmacklich in die entgegengesetzte Ecke: blumig und hell.
Für die kräftigen Biere nimmt man am besten einen Kelch oder eine Tulpe, ein Glas, das sich oben verengt und die Aromen hält. Tripel trinkt man bei 8 bis 10 °C, dunkle Starkbiere und Stouts etwas wärmer, bei 10 bis 14 °C, damit sie nicht an Aroma verlieren. Das helle Lager schmeckt kälter.
Bei Flaschen, die in der Flasche nachgären, kommt es auf das Einschenken an. Man gießt in einem Zug, ohne zu kippen, und lässt die letzten Zentimeter mit dem Bodensatz in der Flasche. Wer die Hefe mitträgt, bekommt ein trüberes Bier mit mehr Hefearoma, wer sie zurücklässt, ein klareres.