
Dolden aus Nelson
Hopfen
Der Hopfen für Wellingtons Biere wächst nicht in der Stadt, sondern rund um Nelson im Norden der Südinsel, jenseits der Cookstraße. Er bestimmt, wie ein Pale Ale oder IPA aus Neuseeland riecht.
Drei Sorten fallen immer wieder auf. Nelson Sauvin riecht nach Weißwein, Stachelbeere und Grapefruit, Motueka eher nach Limette und Zitrus, Rakau nach Steinobst wie Pfirsich. Die Garage Project kombiniert Nelson Sauvin und Rakau in ihrem Pernicious Weed, einem Bier, das seit der Serie „24 Beers in 24 Weeks“ im Programm geblieben ist, ohne dass sich das Rezept geändert hat.
Hopfen hat zwei Aufgaben. Früh in der Würze, dem gekochten Malzzucker-Wasser, gekocht, liefert er Bittere. Später zugegeben oder kalt ins fertige Bier gelegt, nennt man das Kalthopfen, steuert er Aroma bei, ohne viel Bittere hinzuzufügen.
Die Brauer in Wellington setzen oft auf diesen späten Hopfen. Das erklärt, warum ihre Biere nach Frucht riechen und weniger scharf bitter schmecken, als die Zahl der IBU vermuten ließe. IBU sind die Bittereinheiten, ein Messwert für gelöste Hopfensäuren.
Frische zählt. Hopfenaroma verfliegt schnell, deshalb trinken viele Wellingtoner ihr IPA jung, am besten Wochen und nicht Monate nach dem Abfüllen. Das ist ein Grund, warum Taprooms wie der der Garage Project ihr Bier direkt vor Ort ausschenken: Der Weg vom Tank ins Glas ist kurz, und die Frucht bleibt erhalten.
Hopfen wird im Spätsommer gepflückt und meist schnell getrocknet, gepresst oder zu Pellets verarbeitet, kleinen Presslingen, die sich lagern lassen. Brauer in Wellington bestellen oft beide Formen, je nachdem, ob sie Aroma oder Bittere suchen. Der Nelson-Hopfen gilt als Aushängeschild des Landes und prägt das Bild vom neuseeländischen Bier weit über die Hauptstadt hinaus.