
Sauer statt bitter
Hopfen
Wird in Gauteng Hopfen angebaut? Nein, in Johannesburg wächst kein Hopfen. Der Hopfen für Südafrikas Lager kommt nach allem, was bekannt ist, aus dem Westkap, rund um die Stadt George, und für manche Sorten aus dem Ausland. Johannesburger Brauer kaufen ihn als Pellets ein.
Bei Umqombothi fehlt der Hopfen ganz. Die Zutatenliste nennt Mais, Maismalz, Sorghummalz, Hefe und Wasser, und damit fehlt der Gegenspieler zur Süße. Statt Bittere sorgt Säure für Balance. Das Bier schmeckt deshalb säuerlich, leicht herb von der Gärung und gar nicht nach Hopfen.
Wer ein europäisches Pils gewohnt ist, sucht in Umqombothi vergeblich die Hopfenbittere. Man misst sie in IBU, einer Einheit für die Bittere. Ein internationales helles Lager nach BJCP-Norm liegt bei 18 bis 25 IBU, ein deutsches Pils bei 22 bis 40. Ein Sorghumbier hat dafür keine Norm.
Die Lagerbiere der Großbrauereien sind mit Hopfen eher zurückhaltend gehopft. Castle Lager schmeckt malzig, leicht herb und trocken im Abgang, ohne dass ein einzelnes Aroma hervortritt. Es ist ein Durstlöscher für heiße Tage und lange Abende auf dem Grill.
Die kleinen Brauereien setzen stärker auf Hopfenaroma. Pale Ales und andere moderne Stile bekommen in Johannesburg Zitrus, Frucht und Harz aus importierten wie auch aus südafrikanischen Sorten. Das Angebot ist meist saisonal und überschaubar, weil Hopfen teuer und der Markt klein ist.
Der Unterschied zwischen beiden Welten ist einfach zu schmecken. Das Lager trinkt man wegen seiner Frische, Umqombothi wegen seiner Säure und Fülle. Beide gelten in ihrem Umfeld als vollwertiges Bier, nur mit anderen Regeln.