
Begriff und Definition
Was ist Craft-Bier? Bedeutung und Definition
Craft-Bier ist Bier aus einer kleinen, unabhängigen Brauerei, die Geschmack vor Menge stellt. Eine feste Definition gibt es nur in den USA. In Deutschland ist „Craft“ kein Rechtsbegriff, sondern ein Versprechen auf dem Etikett, das jede Brauerei geben darf.
Was bedeutet Craft-Bier wörtlich?
Das englische Wort craft heißt Handwerk. Gemeint war ursprünglich ein Gegenentwurf: In den USA der 1970er Jahre beherrschten wenige Großbrauereien den Markt mit hellen, mild gehopften Lagerbieren, die sich von Küste zu Küste kaum unterschieden. Kleine Betriebe brauten dagegen Pale Ale, Porter oder Stout. Das sind obergärige Biere, deren Hefe warm arbeitet und dabei fruchtige Ester bildet, also Aromastoffe, die an Banane, Birne oder Steinobst erinnern. Aus dieser Bewegung stammt der Begriff, und mit ihr wanderte er um 2010 nach Europa.
Craft beschreibt deshalb keinen Bierstil. Ein Craft-Bier kann ein Pils sein, ein Stout oder ein alkoholfreies Weizen. Entscheidend ist, wer braut und mit welchem Anspruch. Der Brauer wählt Rohstoffe nach Geschmack statt nach Preis, probiert neue Hopfensorten aus und nimmt in Kauf, dass ein Sud teurer wird. Wer im Laden ein IPA sieht, darf daraus allerdings nicht schließen, dass es aus einer kleinen Brauerei stammt. Große Braugruppen brauen längst eigene Biere im Craft-Stil.
Wie definiert die Brewers Association Craft-Bier?
Die einzige verbreitete Definition kommt vom US-Brauerverband Brewers Association. Sie nennt drei Bedingungen. Klein heißt: höchstens sechs Millionen Barrel im Jahr; ein US-Barrel fasst 117,3 Liter, das sind also gut sieben Millionen Hektoliter. Unabhängig heißt: Weniger als 25 Prozent der Brauerei dürfen einem Unternehmen der Alkoholbranche gehören, das selbst nicht als Craft-Brauer gilt. Brauer heißt: Der Betrieb besitzt die Brauerlaubnis der US-Behörde TTB, die Alkohol besteuert und überwacht.
Bis 2018 stand noch ein viertes Merkmal in der Definition, nämlich traditionell. Der Verband strich es 2018. Übrig blieben Größe, Eigentum und Brauerlaubnis, also drei Merkmale, die mit dem Geschmack im Glas zunächst nichts zu tun haben. Das ist gewollt. Die Definition beschreibt, wem eine Brauerei gehört, und überlässt das Urteil über Qualität den Trinkenden. Kleinheit ist dabei relativ: Sechs Millionen Barrel sind für ein Gasthaus mit eigenem Sudkessel unvorstellbar viel, im riesigen US-Biermarkt aber ein überschaubarer Anteil.
Gibt es in Deutschland eine Definition für Craft-Bier?
Nein. In Deutschland gibt es keine Rechtsdefinition für Craft. Jede Brauerei darf das Wort aufs Etikett schreiben, auch ein Konzern. Was überhaupt Bier heißen darf, regeln dagegen die Bierverordnung von 1990 und Paragraf 9 des Vorläufigen Biergesetzes. Das Gesetz wurde 2005 aufgehoben, dieser Paragraf gilt aber weiter. Für untergäriges Bier sind danach nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser erlaubt. Obergäriges darf zusätzlich anderes Malz und bestimmte reine Zucker enthalten, in Bayern jedoch ohne Zucker.
Für deutsche Craft-Brauer heißt das: Wer Kaffee, Früchte oder Gewürze in den Sud geben will, braucht eine Ausnahmegenehmigung der Landesbehörde für ein „besonderes Bier“. Laut Brauer-Bund gibt es sie in allen Ländern außer Bayern. Viele Brauer bleiben deshalb bewusst bei den vier Zutaten und holen die Vielfalt aus Hopfensorten, Malzen und Hefestämmen. Importbiere dürfen seit dem EuGH-Urteil von 1987 in Deutschland Bier heißen, wenn sie es im Herstellungsland dürfen.
Woran erkenne ich ein Craft-Bier im Regal?
Am Wort auf dem Etikett allein kaum. Hilfreicher ist die Rückseite: Wer braut, wo, und gehört die Marke zu einer Gruppe? Manche Craft-Marken haben gar keine eigene Brauerei. Sie lassen als Kuckucksbrauer, englisch gypsy brewer, ihre Rezepte in fremden Anlagen brauen. Die dänische Marke Mikkeller begann 2006 genau so, ihre ersten Biere entstanden in einer Brauerei in Belgien.
Ein zweites Merkmal ist die Offenheit bei Zahlen. Kleine Brauereien nennen gern Hopfensorten, die Bittere in IBU (Milligramm gelöster Hopfenbitterstoffe je Liter) und die Stammwürze, also den Anteil gelöster Stoffe aus dem Malz vor der Gärung. Ein Gütesiegel ist das nicht. Ob ein Craft-Bier gelungen ist, zeigt sich am Ende im Glas: sauber vergoren, ohne Fehlaromen wie Buttrigkeit oder nasse Pappe, mit einer erkennbaren Idee dahinter. Kleinheit allein macht kein Bier besser.