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Craft-Bier in den USA: Geschichte der Revolution

Von Anchor bis heute

Craft-Bier in den USA: Geschichte der Revolution

Die Craft-Revolution in den USA begann 1965, als Fritz Maytag die angeschlagene Anchor-Brauerei in San Francisco kaufte. Es folgten New Albion 1976, die Freigabe des Heimbrauens 1978 und Sierra Nevada 1980. 2025 zählte der Brauerverband 9.578 Craft-Brauereien im Land.

Warum gab es in den USA lange kaum Biervielfalt?

Die Prohibition verbot von 1920 bis 1933 Herstellung und Verkauf von Alkohol im ganzen Land. Hunderte Brauereien gaben auf. Wer überlebte und danach wieder braute, setzte auf Masse, Werbung und landesweiten Vertrieb. Kleinere Betriebe wurden geschluckt oder schlossen. Am Ende dominierte ein einziger Bierstil den Markt.

Dieser Stil heißt in den Wettbewerbsrichtlinien des BJCP, eines US-Verbands für Bierrichter, American Lager. Er ist untergärig, sehr hell, hat 4,2 bis 5,3 Prozent Alkohol und nur 8 bis 18 Bittereinheiten. Oft ersetzen Reis oder Mais einen Teil des Gerstenmalzes, was den Körper schlanker und den Geschmack neutraler macht. Ein Fehler ist das nicht, ein sauber gebrautes American Lager verlangt viel Können. Aber wer Porter, Stout oder ein hopfiges Ale wollte, fand in den 1960er Jahren kaum eines.

Wer startete die Craft-Bewegung in den USA?

Fritz Maytag kaufte 1965 für wenig Geld 51 Prozent der Steam Beer Brewing Company in San Francisco, ab 1969 gehörte sie ihm ganz. Ihr Steam Beer ist ein Sonderfall, den die BJCP-Richtlinien California Common nennen: untergärige Hefe, aber warm vergoren, mit 30 bis 45 Bittereinheiten. So entsteht ein Bier zwischen Lager und Ale, mit klarer Malznote und holziger Hopfenwürze.

Am 18. April 1975 braute Anchor erstmals Liberty Ale. Es enthielt Cascade, eine damals junge amerikanische Hopfensorte von 1972 mit Duft nach Grapefruit und Blüten, und wurde kaltgehopft. Bei dieser Technik kommt Hopfen erst nach dem Kochen ins Bier und gibt Aroma ab, aber kaum Bittere. 1976 gründete der Ingenieur und Hobbybrauer Jack McAuliffe in Kalifornien New Albion, die erste neu gegründete Kleinbrauerei dieser Bewegung. Sie hielt nur etwa sechs Jahre, zeigte aber, dass so ein Betrieb möglich war.

Was hat Jimmy Carter mit Craft-Bier zu tun?

Präsident Jimmy Carter unterschrieb am 14. Oktober 1978 das Gesetz H.R. 1337. Ein Zusatz darin stellte selbst gebrautes Bier für den eigenen Haushalt steuerfrei. Ab dem 1. Februar 1979 durften Erwachsene bis zu 100 Gallonen im Jahr brauen, Haushalte mit zwei Erwachsenen bis zu 200 Gallonen. Damit wurde das Heimbrauen auf Bundesebene legal.

Die Folgen zeigten sich schnell. In Küchen und Garagen entstand eine Generation von Brauern, die Rezepte tauschten und mit Hopfen experimentierten. Charlie Papazian, eine Leitfigur der Heimbrauer, schätzte, dass rund 90 Prozent der Berufsbrauer im Craft-Bereich als Hobbybrauer begonnen haben. 1980 gründete Ken Großman in Chico, Kalifornien, Sierra Nevada; die Brauerei gehört bis heute der Familie. Ihr Pale Ale mit Cascade wurde zum Vorbild für einen ganzen Stil, das American Pale Ale mit 30 bis 50 Bittereinheiten.

Wie groß ist Craft-Bier in den USA heute?

Für 2025 meldet die Brewers Association 9.578 Craft-Brauereien, 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. 300 Betriebe eröffneten, 481 schlossen. Die Craft-Brauer stellten zusammen 22,034 Millionen Barrel her, 4 Prozent weniger als 2024. Weil der gesamte Biermarkt noch stärker schrumpfte, stieg der Mengenanteil von Craft leicht von 13,2 auf 13,4 Prozent. Die Szene ist also erwachsen geworden und wächst nicht mehr automatisch.

Auch der Pionier selbst erlebte Brüche. Anchor gehörte ab 2017 dem japanischen Konzern Sapporo und wurde im Juli 2023 geschlossen. Im Mai 2024 kaufte der Chobani-Gründer Hamdi Ulukaya die Brauerei. Eine Wiedereröffnung ist angekündigt, einen Termin gab es bis Juni 2026 nicht. Der Name Anchor steht damit für beides: für den Anfang der Bewegung und dafür, dass auch Pioniere am Markt scheitern können.

Kurz unterschieden

American Lager
Untergärig, sehr hell, 8 bis 18 IBU, oft mit Reis oder Mais; der Massenstil, gegen den sich die Craft-Bewegung richtete.
California Common
Anchors Steam Beer: untergärige Hefe, aber warm vergoren; steht zwischen Lager und Ale, mit 30 bis 45 IBU.
American Pale Ale
Obergärig, 4,5 bis 6,2 % Alkohol, 30 bis 50 IBU, mit US-Hopfen wie Cascade; das Vorbild war Sierra Nevada.
Best Bitter
Englisches Ale mit 3,8 bis 4,6 % und erdigem, englischem Hopfen; Vorbild der US-Pioniere, aber leiser im Aroma.

Dazu im Lexikon

Lager und Ale: der UnterschiedIPA: Geschichte und StilHopfensorten und ihr Aroma
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