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Bier in Sumer und Ägypten

Ninkasi und Pharaonen

Bier in Sumer und Ägypten

Bier war in Sumer und Ägypten Grundnahrungsmittel, Lohn und Opfergabe. Tontafeln nennen Bier als Ration, eine Hymne an die Göttin Ninkasi beschreibt das Brauen, und im ägyptischen Abydos legten Archäologen eine rund 5.000 Jahre alte Großbrauerei frei.

Bier in Mesopotamien: Rationen auf Tontafeln

In den Städten Mesopotamiens zwischen Euphrat und Tigris wurde Bier zum Alltag. Tempel und Paläste verwalteten Gerste, und die frühesten Keilschrifttafeln sind zu einem guten Teil Buchhaltung: wer wie viel Getreide, Brot und Bier bekam. Bier war Teil der Bezahlung, ähnlich wie Brot. Für viele Arbeiter war es ein wichtiger Teil der täglichen Nahrung.

Getrunken wurde es oft mit Röhrchen aus einem gemeinsamen Gefäß. Rollsiegel, kleine Steinzylinder mit eingeschnittenen Bildern, zeigen Menschen, die mit langen Halmen aus großen Krügen trinken. Der Grund war praktisch: Das Bier war ungefiltert, Spelzen und Reste schwammen oben oder setzten sich unten ab. Mit dem Röhrchen trank man aus der klaren Mitte.

Die Ninkasi-Hymne: ein Rezept in Versen?

Ninkasi war die sumerische Göttin des Bieres. Ein Loblied auf sie ist auf Tontafeln aus dem 18. Jahrhundert vor Christus erhalten, also knapp 4.000 Jahre alt. Die Hymne beschreibt, wie Ninkasi Teig mit Gewürzen mischt, Malz einweicht, die Maische auf Matten ausbreitet und das Bier in ein Sammelgefäß laufen lässt.

Oft wird die Hymne als ältestes Bierrezept bezeichnet. Das ist eine Deutung. Die Übersetzung vieler Fachwörter ist unsicher, und ein Loblied ist keine Arbeitsanweisung. Brauereien haben die Hymne mehrfach nachgebraut; diese Versuche zeigen, was möglich war, nicht, was die Sumerer tatsächlich tranken.

Ein umstrittener Punkt ist die Rolle von Brot. Das sumerische Wort bappir wird oft als Bierbrot übersetzt, ein gebackener Laib aus Getreide, der zerbröckelt in die Maische kam. Ob bappir wirklich Brot war oder eher ein Gemisch aus Malz und Würzstoffen, ist unter Fachleuten offen.

Bier und Recht: die Schankwirtinnen bei Hammurabi

Der babylonische König Hammurabi ließ um 1750 vor Christus eine Sammlung von Rechtssätzen in Stein meißeln. Mehrere Paragrafen betreffen Schankwirtinnen. Sie regeln etwa, in welchem Verhältnis Bier gegen Getreide verkauft werden durfte, und drohen harte Strafen an, wenn eine Wirtin Verschwörer in ihrer Schenke nicht meldete. Bier war also früh Gegenstand von Preis- und Ordnungsrecht, ein Muster, das sich durch die ganze Biergeschichte zieht.

Bier im alten Ägypten: Abydos und die Arbeiterrationen

Auch in Ägypten war Bier, auf Ägyptisch henket, Nahrung, Lohn und Grabbeigabe. Grabmodelle und Wandbilder zeigen Frauen und Männer beim Brauen: Getreide wird gemahlen, Teig in Krügen angesetzt, die Masse durch Siebe gedrückt. Rationslisten von Arbeitern, etwa beim Pyramidenbau, nennen Bier neben Brot als festen Bestandteil.

2021 legte ein ägyptisch-amerikanisches Team unter Matthew Adams und Deborah Vischak in Nord-Abydos eine Brauerei frei, die wohl aus der Zeit des Königs Narmer stammt, also um 3100 vor Christus. Acht Bereiche mit jeweils rund 40 Tongefäßen in zwei Reihen dienten zum Erhitzen der Maische. Nach Angaben der Ausgräber konnte die Anlage etwa 22.400 Liter auf einmal herstellen. Sie gilt damit als älteste bekannte Großbrauerei; Bier wurde hier wohl für Rituale am Königsgrab gebraut.

Wie schmeckte das Bier der Pharaonen?

Genau weiß das niemand. Hopfen kannten weder Sumerer noch Ägypter; Bitterkeit und Haltbarkeit kamen, wenn überhaupt, von Kräutern, Datteln oder Gewürzen. Das Bier war trüb, eher dickflüssig, leicht säuerlich durch Milchsäurebakterien und vermutlich schwach im Alkohol. Weil es schnell verdarb, wurde es frisch getrunken. Mit einem heutigen Pils hat es so viel gemeinsam wie ein Fladenbrot mit einer Torte: dieselbe Grundzutat, ein anderes Produkt.

Kurz unterschieden

Sumerisches Bier
Gerste und Emmer, ungefiltert, mit Röhrchen getrunken, ohne Hopfen. Ob Bierbrot (bappir) Teil des Rezepts war, ist offen.
Ägyptisches Bier
Henket aus Gerste oder Emmer, als Lohn und Grabbeigabe belegt. Trüb, säuerlich und frisch getrunken, ebenfalls ohne Hopfen.
Kwass
Heutiges osteuropäisches Getränk aus Brot oder Malz, nur leicht vergoren. Erinnert an frühe Brotbiere, ist aber kein Bier im heutigen Rechtssinn.

Dazu im Lexikon

Sauerbier: Milchsäure im BierMalz und Hopfen erklärtBier verstehen
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