
Koggen voller Fässer
Hansebier: Bier als Exportschlager
Hopfen machte Bier haltbar, und die Hanse machte es zur Handelsware. Ab dem 13. Jahrhundert verschifften Bremen, Hamburg, Wismar und Einbeck gehopftes Bier bis nach Flandern, Holland und Skandinavien. Hamburg galt als Brauhaus der Hanse, Einbeck gab dem Bockbier seinen Namen.
Warum erst der Hopfen Bierexport möglich machte
Ungehopftes Bier hielt sich wenige Tage. Wer es weiter als bis zum nächsten Markt bringen wollte, musste damit rechnen, dass am Ziel Essig ankam. Gehopftes Bier, stark eingebraut und gut vergoren, überstand dagegen Wochen auf Schiff und Wagen. Erst damit wurde Bier zu einem Handelsgut, das man in Fässern über die Nord- und Ostsee schicken konnte.
Die Hanse, ein Bund norddeutscher Kaufleute und Städte, bot dafür das Netz: Schiffe, Kontore in Brügge, London, Bergen und Nowgorod, feste Handelsrouten. Bier passte gut in dieses System, weil es als Rückfracht und Massengut taugte und in den Zielländern gefragt war.
Dazu kam ein Standortvorteil, der heute leicht vergessen wird. In Flandern und Holland war der Hopfen über das Grutrecht lange zurückgedrängt, während norddeutsche Städte früh gehopft brauten. Wer in Brügge oder Amsterdam ein Bier wollte, das sich hielt und klar bitter schmeckte, kaufte deshalb Bier aus Hamburg oder Bremen, bis die Brauer dort selbst auf Hopfen umstellten und eigene Großbrauereien aufbauten.
Bremen, Hamburg, Wismar: die großen Brauerstädte
Im 13. Jahrhundert war Bremer Bier in Flandern gefragt. Im Lauf des 14. Jahrhunderts übernahm Hamburg diese Rolle. Ein alter Spruch nannte die Stadt das Brauhaus der Hanse. Historiker haben berechnet, dass im 15. Jahrhundert rund 270 Hamburger Exportbrauer vor allem den niederländisch-flämischen Raum belieferten. Bier war dort einer der wichtigsten Ausfuhrposten der Stadt.
Auch Wismar, Lübeck, Rostock und Danzig brauten für den Export. Wer heute ein Bremer Bier trinkt, steht in dieser Tradition, wenn auch rechtlich ganz anders: Bremer Bier ist seit 1998 als geschützte geografische Angabe im EU-Register eingetragen. Ein gutes Beispiel, wie aus einem Handelsnamen ein Herkunftsschutz wurde.
Einbecker Bier: wie der Bock zu seinem Namen kam
Einbeck in Niedersachsen war keine Hafenstadt, aber eine Bierstadt. Bürger mit Braurecht brauten dort ein starkes, gut haltbares Bier, das über Land und Fluss weit verkauft wurde. Es reiste bis nach Bayern: Der Münchner Hof bezog ab 1555 Einbecker Bier.
Weil das teuer war, holte man 1614 den Einbecker Braumeister Elias Pichler an das Münchner Hofbräuhaus. Aus dem Ainpöckisch Bier wurde im Münchner Dialekt der Bock. Der Ziegenbock auf vielen Etiketten ist ein späteres Wortspiel. Heute gilt in Deutschland: Bockbier und Starkbier dürfen sich nur Biere mit mindestens 16 Prozent Stammwürze nennen, also mit mindestens 16 Prozent gelösten Stoffen, vor allem Malzzucker, in der Würze vor der Gärung.
Ale und Beer: wie Hopfenbier England eroberte
Nach England kam gehopftes Bier im 14. und 15. Jahrhundert vor allem mit Kaufleuten und Einwanderern aus Flandern und Holland. Lange unterschied man dort zwei Getränke: Ale, das traditionelle ungehopfte Bier, und Beer, das neue Hopfenbier vom Kontinent. Der Widerstand war zäh; Ale-Brauer sahen das fremde Bier als Konkurrenz.
Am Ende setzte sich der Hopfen auch in England durch, und Ale wurde zum Begriff für obergärige Biere aus Britannien. Heute bezeichnen Ale und Lager die Hefe und die Gärtemperatur, nicht mehr Hopfen oder kein Hopfen. Wer alte englische Texte liest, muss also wissen: Ale hieß einmal etwas anderes.
Das Ende der Hansezeit
Mit dem Niedergang der Hanse im 16. und 17. Jahrhundert, neuen Seewegen und dem Dreißigjährigen Krieg schrumpfte der Bierexport. Die Niederlande und England brauten selbst, Landesherren schützten ihre eigenen Brauer durch Zölle. Erhalten geblieben sind Namen wie Bock und eine Idee: dass Bier ein Gut ist, das reisen kann, wenn man es richtig braut.