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Hopfenanbau: Gerüstanlage, Ernte, Trocknung

Vom Garten zur Darre

Hopfenanbau: Gerüstanlage, Ernte, Trocknung

Hopfen wächst in Hopfengärten an rund sieben Meter hohen Gerüstanlagen aus Masten und Drähten. In Mitteleuropa wird von Ende August bis Mitte September geerntet, danach trocknen die Dolden innerhalb weniger Stunden auf der Hopfendarre.

Hopfengarten und Gerüstanlage: wie Hopfen wächst

Ein Hopfengarten sieht von Weitem aus wie ein Wald aus Telegrafenmasten. Zwischen Holz- oder Betonmasten spannen sich in etwa sieben Metern Höhe Drähte. Im Frühjahr befestigen die Pflanzer an jedem Wurzelstock Steigdrähte, an denen die Reben emporklettern. Das Anleiten, also das Einwinden der ersten Triebe im Uhrzeigersinn, ist bis heute Handarbeit.

Im Mai und Juni wächst Hopfen an guten Tagen um mehr als eine Handbreit. Ende Juni hat er die Gerüsthöhe erreicht, im Juli blüht er, im August reifen die Dolden. Die Pflanze braucht tiefgründige Böden, genug Regen und lange Sommertage. Deshalb liegen die großen Anbaugebiete in mittleren Breiten, auf der Nordhalbkugel wie auf der Südhalbkugel.

Krankheiten, Schädlinge und Klimawandel im Hopfenbau

Falscher und Echter Mehltau sowie die Hopfenwelke, eine von Bodenpilzen ausgelöste Krankheit, können ganze Gärten schädigen. Dazu kommen Blattläuse und Spinnmilben. Viele alte Landsorten sind besonders anfällig, weshalb Züchter seit Jahrzehnten nach widerstandsfähigeren Sorten mit ähnlichem Aroma suchen.

Hitze und Trockenheit setzen dem Hopfen zu, vor allem seinen Alphasäuren. In trockenen Sommern fällt die Ernte kleiner aus, die Werte schwanken stärker. Viele Betriebe bewässern inzwischen über Tropfschläuche. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage: Für die Ernte 2025 nahmen deutsche Betriebe rund 1.300 Hektar aus der Produktion, weil weltweit weniger Bier getrunken wird und die Preise fielen.

Hopfenernte: wenige Wochen im Spätsommer

Den richtigen Zeitpunkt prüfen Pflanzer an der Dolde selbst. Sie fühlt sich trocken und papierartig an, das Lupulin ist goldgelb, der Duft kräftig. Zu früh geerntet fehlt Aroma; zu spät oxidieren die Öle, die Dolden verfärben sich und zerfallen. Für jede Sorte bleibt ein Fenster von wenigen Tagen, und die Betriebe staffeln die Ernte nach Sorten.

Geerntet wird die ganze Rebe. Eine Maschine reißt sie samt Steigdraht vom Gerüst, auf dem Hof zupft die stationäre Pflückmaschine die Dolden ab, Gebläse und Bänder trennen Blätter und Stängel. Bis in die Nachkriegszeit pflückten Saisonkräfte die Dolden von Hand, und in den Anbaugebieten war die Hopfenzupfe ein Ereignis, für das Helfer aus Stadt und Land anreisten.

Trocknung auf der Hopfendarre

Frische Dolden enthalten rund drei Viertel Wasser und würden binnen Stunden verderben. Auf der Hopfendarre, einem mehrstöckigen Trockenofen, strömt warme Luft von unten durch die Hopfenschichten. Getrocknet wird schonend bei mäßiger Temperatur, bis nur noch etwa zehn Prozent Feuchte bleiben. Zu viel Hitze würde die Öle austreiben, zu wenig ließe den Hopfen schimmeln.

In Kent und Sussex stehen die runden Oast Houses mit ihren spitzen weißen Hauben, alte Hopfendarren, die heute oft als Wohnhäuser dienen. Nach dem Darren wird der Hopfen gekühlt, in Ballen gepresst und als Rohhopfen an Verarbeiter verkauft. Sie prüfen Alphasäure und Herkunft, zertifizieren die Partie und machen meist Pellets daraus.

Grünhopfenbier: Bier aus frisch gepflückten Dolden

Einmal im Jahr verzichten manche Brauereien auf die Darre. Sie holen die Dolden direkt vom Feld und geben sie noch am selben Tag in den Sud. Solche Grünhopfen- oder Erntebiere, englisch wet hop beer, riechen grasig, saftig und sehr frisch. Es gibt sie nur im Spätsommer und Herbst und fast nur nahe am Anbaugebiet, weil feuchter Hopfen nicht reisen kann.

Grünhopfen ist schwer zu dosieren. Weil er noch sein Wasser enthält, braucht man ein Vielfaches der Menge, und Alphasäure und Öl lassen sich vorher kaum messen. Jedes Erntebier fällt darum ein wenig anders aus, was viele Liebhaber gerade schätzen.

Kurz unterschieden

Grünhopfenbier
Frische, ungetrocknete Dolden binnen Stunden im Sud: grasig-saftiges Aroma, nur zur Erntezeit.
Pils
Gebraut mit getrocknetem Hopfen von der Darre, meist als Pellets: gleichbleibender Duft das ganze Jahr.
Bitter
Englisches Ale mit englischen Sorten wie Fuggle oder Goldings: erdig, würzig, mild fruchtig.

Dazu im Lexikon

Malz und Hopfen erklärtBier verstehenIPA verstehen
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