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Wurde das IPA für Indien erfunden? Der IPA-Mythos

Export und Legende

Wurde das IPA für Indien erfunden? Der IPA-Mythos

Nur zum Teil: Das India Pale Ale war ein helles, stark gehopftes Exportbier, das vor allem in Indien Erfolg hatte. Erfunden wurde es nicht eigens für die Seereise. Bier ging schon ab 1711 nach Indien, und der Name India Pale Ale taucht erst im frühen 19. Jahrhundert auf.

IPA: Was erzählt die Legende?

Die bekannte Geschichte geht so: Britische Soldaten und Beamte in Indien wollten Bier, doch auf der monatelangen Seereise um Afrika verdarb es. Ein Londoner Brauer namens George Hodgson von der Bow Brewery habe deshalb ein besonders starkes, extrem gehopftes Bier erfunden, das die Reise überstand. So sei das IPA entstanden.

Diese Erzählung steht auf vielen Bieretiketten und in Brauereiprospekten. Sie ist eingängig, weil sie Hopfen als Konservierungsmittel erklärt und einen Erfinder liefert. Bierhistoriker haben die Quellen in den vergangenen Jahrzehnten aber genauer angesehen, und dabei bleibt von der Heldengeschichte nur ein Teil übrig.

Was ist über das India Pale Ale belegt?

Bier wurde schon ab 1711 nach Indien verschifft, lange bevor es einen Stil namens IPA gab. Hodgson belieferte die Ostindien-Kompanie tatsächlich, und zwar mit einem hellen October Beer. So hieß in England ein kräftiges, gut gehopftes Bier, das im Herbst gebraut und zum Lagern gedacht war. Ein neuer Stil war das nicht, sondern ein vorhandenes Bier, das sich für die Reise eignete.

Der Ausdruck India Pale Ale taucht erst im frühen 19. Jahrhundert auf. Und die Truppen in Indien tranken bis ins späte 19. Jahrhundert ebenso Porter, ein dunkles Londoner Bier. Die treffende Beschreibung lautet daher: ein helles, stark gehopftes Exportbier, das vor allem in Indien Erfolg hatte.

Warum Hopfen trotzdem wichtig war

Ganz falsch ist die Legende nicht. Hopfen hemmt viele Bakterien, die Bier sauer machen. Ein kräftig gehopftes, gut vergorenes Bier hält sich deshalb länger als ein schwach gehopftes. Für Exportbiere, die Wochen oder Monate unterwegs waren, war das ein echter Vorteil. Wenig Restzucker half zusätzlich, weil Mikroben dann weniger Nahrung fanden.

Die Hitze und das Schaukeln an Bord veränderten das Bier unterwegs. Berichte aus der Zeit loben, dass es nach der Reise reifer schmeckte. Ob das an der Bewegung, an der Temperatur oder an der Zeit lag, ist heute schwer zu sagen. Sicher ist, dass das Bier bewusst für Lagerung und Transport gebraut wurde, nicht dass jemand dafür einen neuen Stil schuf.

Porter und Stout: dieselbe Art Legende

Das IPA ist nicht das einzige britische Bier mit einer zu schönen Entstehungsgeschichte. Über den Porter heißt es oft, ein Londoner Brauer namens Ralph Harwood habe ihn 1722 erfunden, um eine beliebte Mischung aus drei Bieren, die Three Threads, zu ersetzen. Diese Geschichte stammt aus einem Londoner Stadtbuch von 1802, also rund 80 Jahre nach dem angeblichen Ereignis, und ältere Belege fehlen. Porter entstand im London der 1720er-Jahre, wer ihn erfand, weiß niemand.

Auch das Stout gilt vielen als irische Erfindung. Das Wort bedeutete ursprünglich einfach stark. Ein Stout Porter war ein besonders kräftiger Porter aus London, der Name wurde später zu Stout verkürzt. Irland, allen voran Guinness, machte den Stil weltberühmt, erfunden hat es ihn nicht. Bei allen drei Bieren gilt: Stile wachsen über Jahrzehnte, ein einzelner Erfinder ist fast immer eine spätere Zuschreibung.

Was das heutige IPA damit zu tun hat

Das IPA, das heute in fast jeder Bar steht, ist meist ein amerikanisches Bier. Nach der Stilnorm BJCP liegt ein American IPA bei 5,5 bis 7,5 Prozent Alkohol und 40 bis 70 Bittereinheiten (IBU, ein Maß für die Hopfenbittere). Es setzt auf Zitrus- und Harzaromen amerikanischer Hopfensorten wie Cascade. Ein English IPA ist erdiger und malziger und orientiert sich stärker an der britischen Tradition.

Offen bleibt, wie die historischen IPAs genau geschmeckt haben. Brauprotokolle nennen Mengen, aber keine Aromen, und Hopfensorten, Malze und Hefen von damals gibt es so nicht mehr. Nachbrauten zeigen höchstens eine Annäherung. Wer das heutige IPA verstehen will, findet die Unterschiede zwischen den Spielarten im Kapitel über das IPA.

Kurz unterschieden

English IPA
5 bis 7,5 % vol, 40 bis 60 IBU. Erdiger, malziger Hopfencharakter in britischer Tradition.
American IPA
5,5 bis 7,5 % vol, 40 bis 70 IBU. Zitrus, Harz und Kiefer aus amerikanischen Hopfensorten.
Porter
Dunkles Londoner Bier der 1720er-Jahre, Erfinder unbekannt. Wurde in Indien ebenfalls viel getrunken.

Dazu im Lexikon

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