
Půllitr und Zapfhahn
Verkosten
Wie schmeckt Bier aus Mittelböhmen? Ein helles Krušovice riecht nach frischem Brot und hat eine milde, runde Bittere. Ein Kozel hat mehr Hopfenzug und einen trockeneren Abgang. Dunkle Biere wie Černé oder Kozel Černý erinnern an Röstbrot und Schokolade. Zum Vergleichen lohnt ein Abend mit zwei oder drei Marken nebeneinander.
Getrunken wird in der Hospoda, der tschechischen Wirtschaft, aus dem Půllitr. Das ist ein Halbliterglas, meist ein Humpen mit Henkel oder ein schlanker Becher. Anders als im Süden Deutschlands bestellt man selten die Größe, denn die Halbe ist die Norm. Wer weniger will, fragt nach dem Malé, dem kleinen Glas.
Zur Temperatur: Helle Lager trinkt man kühl, aber nicht eiskalt, grob um acht Grad. Zu kaltes Bier verschließt die Aromen, die Bittere und das Malz bleiben unter der Kälte versteckt. Dunkles Lager darf eine Spur wärmer ins Glas.
Das Zapfen verlangt Übung. Ein guter Zapfer neigt das Glas, lässt das Bier langsam einlaufen und stellt es am Ende gerade, damit eine feste, feinporige Schaumkrone entsteht. Sie schützt das Bier vor der Luft und hält es länger frisch. Bei Kozel und Krušovice ist sie fester Bestandteil des guten Glases.
Zum Ritual gehört der Bierdeckel mit Strichen. In vielen Hospoden zeichnet der Kellner jedes Glas als Strich auf den Deckel, abgerechnet wird am Ende. Ein neues Glas bringt man ungefragt, bis man den Deckel aufs Glas legt.