
Drei Schaumstufen
Verkosten
Ein Pilsner Urquell riecht zuerst nach frischem Brot und Heu, dann kommt eine blumige Würze vom Saazer Hopfen. Im Mund ist es voll, aber nicht süß, und der Abgang bleibt bitter, ohne zu kratzen. Gambrinus ist im Ton ähnlich, aber leichter gebaut. Wer beide nebeneinander probiert, merkt den Unterschied von Zehn und Zwölf.
Serviert wird kühl, nach verbreiteter Empfehlung bei etwa sechs bis acht Grad. Zu kalt betäubt den Hopfen, zu warm macht das Bier schwer. Das übliche Glas fasst einen halben Liter und ist rund gebaut, oft mit Henkel.
Typisch für Pilsen ist die Kunst des Zapfens. Tschechische Zapfer kennen drei Ausschankarten. Bei der Hladinka, nach dem Wort für Wasserspiegel benannt, füllen zwei Drittel Bier und ein Drittel Schaum das Glas. Das ist die Standardform, mild und cremig.
Der Šnyt hat deutlich mehr Schaum. Er kommt in einem kleineren Glas und ist stärker gehopft im Eindruck, weil der Schaum die Bittere sammelt. Das Mlíko, auf Deutsch Milch, ist fast nur Schaum mit einem Fingerbreit Bier am Boden. Der Schaum schmeckt zart und süß, die Bittere tritt zurück.
In vielen Pilsner Gaststätten steht eine Tankovna, ein Tankbier-Ausschank. Das Bier kommt in Tanks aus Edelstahl, nach Angaben der Brauerei unpasteurisiert, binnen 48 Stunden geliefert und innerhalb von fünf Tagen auszuschenken. Pasteurisieren heißt, das Bier kurz zu erhitzen, damit es länger hält. Weglassen bringt mehr Frische, kostet aber Haltbarkeit.