
Marsch und Deiche
Region & Geschichte
Das Alte Land zwischen Hamburg, Stade und Buxtehude war einmal Sumpf. Im 12. Jahrhundert holte der Erzbischof von Bremen holländische Siedler, die das Land eindeichten und mit einem Grabensystem entwässerten. Aus dieser Marsch ist das Gebiet geworden, das heute als größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet Nordeuropas gilt. Die Elbe liegt vor der Haustür, der Hamburger Hafen nur wenige Kilometer entfernt.
Obst wächst hier seit über 700 Jahren, auf rund 10.500 Hektar stehen heute Plantagen, überwiegend mit Apfelbäumen. Sie liefern Tafeläpfel für den Handel. Ein Brennerei-Land wie die Ortenau oder die Wachau ist das Alte Land deshalb nie geworden, und Brennereien sind im hohen Norden dünn gesät.
Wer in Deutschland Apfelbrand herstellen will, braucht dafür eine Erlaubnis, denn privates Brennen ist verboten. Für eine Abfindungsbrennerei gelten höchstens 300 Liter reinen Alkohol im Jahr; der Betrieb braucht mindestens 3 Hektar Land, im Intensivobstbau reichen 1,5 Hektar. Das alte Branntweinmonopol lief für Obstbrennereien Ende 2017 aus, seither gilt das Alkoholsteuergesetz mit einer Erlaubnis, die an die Person gebunden ist.
Zu den Häusern der Gegend zählt die Nordik Edelbrennerei in Jork, die nach eigenen Angaben Früchte aus dem Alten Land verarbeitet. In Hamburg arbeitet die Manufaktur Edelhof1514, die ihren Namen einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus von 1514 verdankt und seit vier Generationen in Familienhand ist.
Einen eigenen Herkunftsschutz für Apfelbrand aus dem Alten Land gibt es im EU-Register der geschützten Spirituosen nicht. Was hier gebrannt wird, trägt deshalb die allgemeine Bezeichnung Apfelbrand und muss die Regeln für Obstbrand erfüllen: mindestens 37,5 Prozent Alkohol, kein Fremdalkohol, kein Aroma, keine Farbstoffe.