
Kirschenfest und Keller
Essen & Brauchtum
Im Juli wird in Pretzfeld die Kirsche gefeiert. Das Fränkische Kirschenfest gibt es seit 1971, es ist ein familiäres Bierfest auf dem Keller, dem Festplatz am Hang. Der Bürgermeister zapft das erste Fass an, die Kirschenkönigin steht daneben, und am Sonntag zieht der große Festzug durch den Ort. In Franken stehen Bier und Brand traditionell nebeneinander: Das Bier gehört zum Fest, der Brand eher zur Küche.
Zu den Gerichten der Gegend gehört der Kirschenmichel, ein Auflauf aus altbackenen Semmeln, Eiern und Kirschen, der in vielen Rezepten einen Schuss Kirschwasser enthält. Hier passt der Brand ins Gericht, weil er die Kirsche im Teig verstärkt, ohne Zucker hineinzubringen. Dazu kommen Kirschkuchen und Marmelade aus der Ernte.
Auch als Digestif hat Kirschwasser in Franken seinen Platz, etwa nach einer deftigen Brotzeit oder einem Braten. Ob ein Schnaps nach dem Essen der Verdauung hilft, ist eine alte Frage. Messungen sprechen eher dagegen: Der Alkohol verzögert die Verdauung, statt sie anzutreiben. Das gute Gefühl danach ist Entspannung.
Die Bäume, die das alles möglich machen, stehen auf Streuobstwiesen. Wer ihre Früchte brennen lässt, hält sie im Kreislauf der Landschaft. Der Gesetzgeber begründet die Steuerermäßigung für kleine Brennereien genau damit, und auch der Kirschenweg bei Pretzfeld erzählt davon.
Wer im April dorthin fährt, nimmt vor allem die Blüte mit. Im Juli gehört der Ort dem Kirschenfest, und zwischen beiden liegt die Ernte, an deren Ende ein klarer Brand im Keller zu ruhen beginnt.