
Nase vor Zunge
Verkosten
Ein Fränkisches Kirschwasser im Nosing-Glas riecht zuerst nach Kirsche, nicht nach Alkohol. Das Glas mit seiner Tulpenform ist dafür gebaut: Der Bauch sammelt den Duft, der Rand bündelt ihn, und die Nase findet die Töne, bevor die Zunge etwas schmeckt. Ein normales Schnapsglas schickt dagegen vor allem die Schärfe nach oben.
Zuerst wird gerochen, mit kleinen Atemzügen, nicht tief. Zu viel Alkohol im Geruch ist ein Zeichen, dass der Brand für die Nase zu kalt oder zu warm im Glas steht. Kühl wie aus einem Keller, nicht eiskalt, so entfaltet sich das Aroma am besten. Eine zu niedrige Temperatur schluckt die Fruchtnoten.
Dann folgt ein kleiner Schluck. Man achtet auf die Frucht, den Steinton, die Trockenheit und die Länge im Abgang. Ein Geruch nach Lösungsmittel deutet auf zu viel Vorlauf, Fusel oder ein schweres, kratziges Gefühl auf Nachlauf. Ein sauberer Brand bleibt klar und trocken.
Als Beispiele dienen die drei Brände mit geschützter Angabe: Fränkisches Kirschwasser als Leitbrand, Fränkisches Zwetschgenwasser als dunkler Gegenpol und Fränkischer Obstler als weicher Mischbrand. Wer in der Gegend selbst probieren will, findet im Anbaugebiet bei Pretzfeld Brennereien wie die Edelbrennerei Haas. Das ist ein Beispiel für die Dorfbrennereien der Region und keine Empfehlung.
Verkostet wird in kleinen Mengen. Ein Brand mit 40 Prozent Alkohol schmeckt in großen Schlucken nur noch nach Hitze, und Wasser dazu hilft der Nase, sich zu erholen.