
Käse, Braten, Brotofen
Essen & Brauchtum
Deftig isst man in Hohenlohe, und viel kommt vom eigenen Land. Das Schwäbisch-Hällische Landschwein, eine alte Rasse aus der Gegend um Schwäbisch Hall, landet als Braten auf dem Tisch, dazu Spätzle, Maultaschen oder Kartoffelsalat. Ein Birnenbrand am Ende ist hier Gewohnheit, kein Sonderfall. Die Birnen- und Apfelbäume rund um die Höfe gehören in Hohenlohe zum Bild wie der Kirchturm im Dorf.
Besonders gut passt Käse. Beim Genussgipfel 2015 in Schwäbisch Hall standen Birnenbrände aus der Region nicht zufällig neben regionalem Käse, denn die Herbheit des Brandes hält gegen die Fülle von reifem Käse. Ein Stück Birne dazu schließt den Kreis.
Gemeint ist der Digestif, der Brand nach dem Essen. Dass er die Verdauung beschleunige, ist ein hartnäckiger Irrglaube. Gemessen hat man vielmehr, dass Alkohol die Magenentleerung eher verzögert. Das Gefühl der Erleichterung kommt von der Entspannung. Wer nach dem Essen noch sitzt, schenkt sich deshalb oft nur ein winziges Glas ein, als Abschluss und nicht als Nachtisch.
Ein Fest, das zur Obstkultur der Gegend passt, ist das Backofenfest im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall. Das Museum zeigt ländliches Leben der Region, und zum Fest backen Hausleute im Holzofen. Wer Brot und Käse isst, hat den passenden Rahmen für einen Birnenbrand.
Im Taubertal um Weikersheim und Creglingen setzt sich das fort. Auf den Hängen stehen Obstbäume, und mancher Hof gehört zu den Abfindungsbrennereien, die den Streuobstbestand am Leben halten. Ein kleines Glas gehört dort ans Ende der Mahlzeit, nicht an ihren Anfang.