
Brotzeit und Alm
Essen & Brauchtum
Zum Enzian gehört in Oberbayern die Brotzeit. Auf dem Brett liegen Bergkäse, Radi, Schwarzgeräuchertes und Obatzda, ein Brotaufstrich aus reifem Camembert, Butter und Zwiebeln, dazu dunkles Brot. Die Fettigkeit und das Salz des Käses fangen die Bitterkeit des Brandes auf, und der Brand wiederum schneidet durch das Fett.
Auf dem Königssee gehört der Saibling zur Küche, ein Fisch der kalten Bergseen, den man gebraten oder geräuchert isst. Sein zartes, leicht süßes Fleisch verträgt eine herbe Wurzelnote, wie sie ein Enzian mitbringt, besser als etwas Fruchtiges. Süßes steht am anderen Ende: Nach einem Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster nimmt mancher einen Obstler, weil seine Frucht nicht gegen den Zucker kämpft.
Der Enzian gilt in den Alpen als Magenbitter, und viele trinken ihn nach einem schweren Essen. Ob er die Verdauung wirklich unterstützt, ist fraglich: Eine Studie aus der Schweiz fand, dass Alkohol die Magenentleerung eher verzögert. Das gute Gefühl danach kommt von der Entspannung und nicht vom Magen.
Der Herbst gibt dem Enzian seinen Platz im Jahr. Wenn nach dem Almsommer im September der Almabtrieb ansteht, kommen die Tiere mit Blumenschmuck von der Weide ins Tal. Danach werden in vielen Dörfern Hütten und Wirtschaften wieder lebendig, und auf manchem Tisch steht ein Obstler. Die Almhütte bleibt bis heute der Ort, an dem Brotzeit und Brand zusammen auf den Tisch kommen.
In Berchtesgaden selbst zeigt sich der Brauch ruhiger. Eine Brennerei besichtigen, einen Brand probieren und danach auf der Bank hinter dem Haus auf den Watzmann schauen, das ist für viele Besucher der Abschluss eines Tages am See.