
Wandern, Kirschen, Kuchen
Essen & Brauchtum
Brauchtum in Oberkirch heißt vor allem unterwegs sein. Der Oberkircher Brennersteig ist ein rund 14 Kilometer langer Wanderweg um das Hesselbacher Tal, vorbei am Geigerskopfturm mit Blick über die Rheinebene bis zu den Vogesen. Unterwegs laden Brennereien zur Verkostung ein, manche nach Anmeldung.
Zur Kirsche gehört in Baden der Kirschenplotzer, ein Auflauf aus Kirschen und altbackenem Brot, der im Ofen goldbraun wird. Mancher Haushalt gibt einen Schuss Kirschwasser in den Teig, aber nur einen, denn der Brand soll die Frucht heben und nicht übertönen. Im Spätsommer folgt der Zwetschgenkuchen, der zum Zwetschgenwasser passt wie der Plotzer zum Kirsch.
In der Konditorei und bei Süßspeisen dient Kirschwasser zum Abschmecken, in Pralinen ebenso wie in Cremes und Fruchtfüllungen. Ein Schuss genügt, um aus Kirschen mehr Kirsche zu machen, und beim Backen verfliegt ein Großteil des Alkohols.
Ein Kirsch zum Abschluss eines Essens gilt hier als Digestif, als Abrundung der Mahlzeit. Schneller verdaut wird dadurch nichts, im Gegenteil: Alkohol verzögert die Verdauung eher. Das gute Gefühl danach ist Entspannung.
Im Frühjahr, wenn die Kirschbäume blühen, zieht es Wanderer in die Obsthänge, und 2026 stand in Oberkirch das 300-jährige Brennrecht im Mittelpunkt. Wer die Brennereien besuchen will, meldet sich vorher an, denn es sind Höfe und keine Gaststätten. Für Familien mit Obstbäumen ist der Sommer die Zeit, in der Kirschen gelesen und zum Brenner gebracht werden.