
Saumagen und Dampfnudeln
Essen & Brauchtum
Weck, Worscht und Woi heißt die einfachste Pfälzer und rheinhessische Brotzeit: ein Brötchen, ein dickes Stück Fleischwurst oder Leberwurst und ein Viertel Wein im Dubbeglas, dem halben Liter fassenden Glas mit Noppen. Wo Wein so selbstverständlich ist wie das Brötchen, überrascht es nicht, dass auch der Brand aus Wein hier zu Hause ist.
Auf dem Tisch landet deftige Kost. Der Pfälzer Saumagen mit Sauerkraut wurde durch Helmut Kohl in ganz Deutschland bekannt, dazu kommen Leberknödel und Kartoffelsuppe mit Zwetschgenkuchen. In Rheinhessen und der Pfalz serviert man außerdem Spundekäs, einen würzigen Frischkäse mit Paprika, zu Brezel oder Brot. Süß wird es bei den Dampfnudeln mit Weinsoße.
Zum Deftigen passt klarer, trockener Tresterbrand besser, als man denkt, weil seine Würze durch das Fett schneidet. Milder Weinbrand harmoniert eher mit Süßem, etwa den Dampfnudeln, wo sich Eiche und Karamell mit Hefeteig und Weinsoße treffen. In vielen Winzerhaushalten steht zum Abschluss ein kleines Glas aus dem eigenen Betrieb, Weinbrand oder Tresterbrand aus der Abfindungsbrennerei.
Im Herbst feiern die Dörfer die Kerwe, das Kirchweihfest, mit Federweißer, dem noch gärenden Traubenmost, und mit Zwiebelkuchen. In Bad Dürkheim findet im September der Dürkheimer Wurstmarkt statt, ein großes Weinfest mit Dubbegläsern. Die Deutsche Weinstraße führt an vielen dieser Feste vorbei.
In Straußwirtschaften, wie Pfälzer und Rheinhessen ihre Gutsschenken nennen, schenken Winzer zu bestimmten Zeiten im Jahr ihren eigenen Wein aus. Dazu gibt es Brot, Wurst und Käse, und oft sitzt man im Hof zwischen Fässern und Weinstöcken, während hinter dem Haus die Reben bis an den Hang reichen.