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Region & Geschichte in der Region Schwäbische Alb & Streuobst

Wiesen und Steuerrecht

Region & Geschichte

Wer im Herbst am Albtrauf entlangfährt, sieht unterhalb der Hangkante einen Gürtel aus hochstämmigen Obstbäumen, der sich mit dem Gelände hebt und senkt. Die Verwaltung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb bezeichnet ihn als größten zusammenhängenden Streuobstgürtel Europas. Zu sehen sind vor allem Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Walnüsse.

Gebrannt wurde hier nie im großen Stil, sondern aus dem, was die Wiesen hergaben. Ihre größte Ausdehnung erreichten die Streuobstwiesen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg versorgten sie die Haushalte mit Obst, Most und Marmelade. Seit den späten 1950er-Jahren wurden viele Hochstammwiesen gerodet und durch niedrige Plantagen ersetzt, die verkäufliches Tafelobst liefern.

Was das mit Obstbrand zu tun hat, zeigt das Steuerrecht. Das Branntweinmonopol, an das Obstbrennereien bis zum 31. Dezember 2017 gebunden waren, ist abgeschafft; seit dem 1. Januar 2018 gilt das Alkoholsteuergesetz. Für Alkohol aus Abfindungsbrennereien und von Stoffbesitzern gilt innerhalb der erlaubten Menge ein ermäßigter Satz, deutlich unter dem Regelsatz für alle anderen. Der Gesetzgeber begründet diese Ermäßigung mit dem Erhalt der Streuobstwiesen. Wer Obst zu Brand macht, hält also indirekt die Bäume am Leben, die sonst kaum jemand mehr abernten würde.

Als Abfindungsbrennerei erzeugt ein Betrieb höchstens 300 Liter reinen Alkohol im Jahr. Voraussetzung ist ein landwirtschaftlicher Betrieb ab 3 Hektar, bei Intensivobst- oder Weinbau ab 1,5 Hektar. Die Erlaubnis gehört seit 2018 der Person und nicht mehr dem Hof: Wer einen Betrieb übernimmt, muss sie innerhalb von drei Monaten neu beantragen.

Ein eigenes Herkunftssiegel für Brände von der Alb führt das EU-Register nicht. Den Namen tragen die Wiesen selbst. 2009 hat die UNESCO die mittlere Alb als Biosphärenreservat anerkannt, 2021 wurde das für zehn Jahre erneuert; das Biosphärenzentrum sitzt in Münsingen. Dort laufen auch viele Streuobst-Projekte zusammen, von Sortenerhalt bis Vermarktung.

Dazu im Lexikon

Wie die Normandie Äpfel und Birnen zu Brand macht
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