
Marc und Fine
Region & Geschichte
Wer in Burgund nach dem Essen einen Marc de Bourgogne bestellt, bekommt keinen entfernten Verwandten des Cognac, sondern einen Brand aus Traubentrester: aus Schalen, Kernen und Stielen, die nach dem Pressen in der Presse zurückbleiben. Was anderswo Grappa heißt, nennt man hier Marc, und was wie ein Nebenprodukt der Weinlese klingt, hat in der Region eine eigene Herkunftsregel.
Für den Marc de Bourgogne gilt eine geschützte Herkunftsbezeichnung, die AOC. Das Gebiet umfasst nach Angaben der Branchenvertretung 388 Gemeinden in vier Départements: Côte-d'Or, Saône-et-Loire, Yonne und Rhône. Der Trester muss aus diesem Gebiet stammen, und auch Lagerung, Destillation und Reifung finden dort statt. Die geltenden Regeln gehen auf ein Dekret vom 17. März 2011 zurück; am selben Tag wurde die AOC Fine de Bourgogne festgelegt, die die ältere Bezeichnung „Eau-de-vie de vin de Bourgogne“ ablöste.
Die Champagne kennt zwei eigene Brände. Der Marc champenois, in der EU als Eau-de-vie de marc champenois geschützt, stammt aus dem Trester der Champagner-Pressen. Die Eau-de-vie de vin de la Marne, auch Fine champenoise genannt, ist dagegen ein Destillat aus Wein der Marne. Mit der Cognac-Bezeichnung „Fine Champagne“ hat sie nichts zu tun.
Weiter südlich schließen der Marc du Jura und der Marc de Savoie an. Auch sie sind als geografische Angaben für Tresterbrand geschützt. Der Marc du Jura ist bernsteinfarben, weil die Reifung im Holz vorgeschrieben ist.
Im Vergleich zu den großen Namen der Spirituosenwelt ist der Marc de Bourgogne klein: Die Branchenvertretung nennt rund 400 000 Flaschen im Jahr, ein Viertel davon geht in den Export. Gerade deshalb lohnt der Blick auf die Unterschiede, denn Marc und Fine werden gern in einen Topf geworfen, obwohl der eine aus Trester und die andere aus Wein entsteht.