
Birnen im Bocage
Region & Geschichte
Was Calvados Domfrontais von anderem Calvados unterscheidet, lässt sich mit einem Wort sagen: Birne. Der Brand stammt aus dem Süden der Normandie, aus der Hügellandschaft um die Stadt Domfront im Département Orne, und muss zu mindestens 30 Prozent aus Mostbirnen entstehen. Beim allgemeinen Calvados sind Äpfel die Hauptsache, und im Pays d'Auge sind höchstens 30 Prozent Birnen erlaubt.
Domfront selbst sitzt auf einem Felsen über dem Tal der Varenne, mit den Resten einer mittelalterlichen Burg im Rücken. Ringsum liegt der Bocage, eine Landschaft aus Hecken, kleinen Weiden und Obstbäumen. Dazwischen stehen hochstämmige Birnbäume, nach regionalen Angaben mehr als hunderttausend, manche älter als dreihundert Jahre.
Aus dieser Birnenlandschaft kommen zwei Getränke. Das eine ist der Poiré Domfront, ein leicht perlender Birnenwein mit eigener geschützter Herkunftsbezeichnung. Das andere ist der Brand: Er wird aus Cidre und Poiré gebrannt, also aus vergorenem Apfelsaft und vergorenem Birnensaft. Gebrannt wird dabei nicht in der Brennblase, sondern in der Kolonne.
Im EU-Register stehen drei Calvados-Herkünfte nebeneinander: der allgemeine Calvados, der Calvados Pays d'Auge und der Calvados Domfrontais. Der Domfrontais verlangt neben dem Birnenanteil die Kolonne und mindestens drei Jahre Eiche, der allgemeine Calvados begnügt sich mit zwei. Als eigene geschützte Namen führt das Register außerdem Eau-de-vie de cidre de Bretagne und Eau-de-vie de cidre du Maine, Apfelbrände aus den Nachbarregionen der Normandie.
Heute prägen kleine Familienbetriebe das Bild. Der Hof Lemorton wird nach eigenen Angaben in dritter Generation geführt und ist für Jahrgangsbrände bekannt. Christian Drouin, sonst ein Name aus dem Pays d'Auge, betreibt im Domfrontais nach Angaben des Hauses die Brennerei Lauriston.