
Pineau und Digestif
Essen & Brauchtum
Am Anfang eines Essens steht in der Charente oft nicht der Cognac, sondern Pineau des Charentes. Er entsteht, indem Traubenmost mit Cognac versetzt wird, wodurch die Gärung stoppt und ein süßer, kühl getrunkener Aperitif übrig bleibt. Der Brand der Gegend kommt also schon vor dem ersten Gang auf den Tisch, nur in anderer Gestalt.
Zu Hause gibt es Melon charentais, die kleine, duftende Melone, deren Kern ausgehöhlt und mit Pineau gefüllt wird. Aus der Küstenregion stammt die Mouclade, Miesmuscheln in einer cremigen Sauce, oft mit Pineau und leichtem Curry. Beides schmeckt nach dem Meer und nach Wein, so wie die Gegend selbst.
Dazu kommen Cagouilles, die Gartenschnecken, eine verbreitete Spezialität der Charente, und der Beurre Charentes-Poitou, eine geschützte Butter aus der Region, die sich in den Saucen findet. Gerichte wie diese brauchen keinen Brand, aber sie zeigen, dass die Küche mit Wein, Sahne und Butter denkt, wie der Cognac selbst.
Den Cognac bringt man nach dem Essen, als Digestif, in einem kleinen Glas zum Kaffee. Dunkle Schokolade, Walnüsse und reife Früchte vertragen sich mit den Noten von Honig und Trockenfrucht, die gereifte Brände mitbringen. Gewürzte oder sehr süße Desserts überdecken dagegen das feine Aroma der Grande Champagne.
Im Winter riecht es in den Dörfern um Segonzac nach warmem Kupfer und Hefe, denn dann läuft die Brennsaison. Die Kessel stehen bis zum 31. März nach der Ernte unter Feuer, und der Duft zieht von den Brennhäusern über die Höfe. Wer im Keller steht, hört vielleicht das leise Knacken der Fässer, während die part des anges, der Anteil der Engel, still weiterverdunstet.