
Käse und Sahnesauce
Essen & Brauchtum
Was ist ein Trou normand? Das „normannische Loch“ ist ein Gläschen Calvados, das in der Mitte eines üppigen Menüs zwischen zwei Gängen gereicht wird. Der Überlieferung nach soll es Platz für den nächsten Gang schaffen. Heute gibt es den Trou normand auch als Apfelsorbet mit einem Schuss Calvados. Verdauungsfördernd ist das Gläschen allerdings nicht, denn Alkohol verzögert die Magenentleerung eher; die Erleichterung ist Entspannung.
Die Käse der Gegend haben Weltruf: Camembert de Normandie, Livarot und Pont-l'Évêque tragen alle ein EU-Herkunftssiegel, die AOP. Der Livarot ist an den Schilfbändern um den Laib zu erkennen, der Pont-l'Évêque an seiner quadratischen Form. Zu ihrem kräftigen Geschmack passt Calvados, weil Apfelsäure und Gerbstoff das Fett aufbrechen.
Auf dem Teller steht dazu Poulet Vallée d'Auge: Huhn in Sahnesauce mit Äpfeln, Cidre und einem Schuss Calvados, der in der Pfanne flambiert wird. Der Calvados geht in die Sauce, damit der Alkohol verfliegt und das Apfelaroma bleibt. Zum Nachtisch folgt die Tarte normande, ein Apfelkuchen mit Sahne.
Pommeau de Normandie, Apfelmost mit Calvados aufgespritet, ist kein Brand und wird als Aperitif gereicht, noch bevor das Menü beginnt.
Wer Cambremer und Beuvron-en-Auge besucht, kann der Route du Cidre folgen, einer ausgeschilderten Ferienstraße von Hof zu Hof, auf der Erzeuger Cidre, Pommeau und Calvados anbieten. Beuvron-en-Auge fällt durch seine Fachwerkhäuser auf.
Als Digestif zum Kaffee nach dem Essen passt ein älterer Calvados besser als ein junger, weil ihn die Reife ruhiger und weniger scharf macht.