
Glas, Duft, Wärme
Verkosten
Wie verkostet man Calvados Pays d'Auge? Ein Tulpenglas oder Nosing-Glas, das sich nach oben verjüngt, sammelt die Düfte besser als ein breiter Schwenker. Es steht stabil auf dem Tisch, und der Brand kommt mit Zimmertemperatur hinein, nicht gekühlt, denn Kälte dämpft die Aromen.
Zuerst kommt die Nase. Man hält das Glas knapp unter die Nase und atmet flach, weil der Alkohol sonst alles übertönt. Typisch für den Pays d'Auge sind gebackener Apfel, Birne und Quitte, dazu Vanille, Gewürz und eine leicht herbe Note vom Holz.
Im Mund zeigt sich der Unterschied zwischen den Altersstufen. Junge Brände wirken frisch und etwas scharf, mittlere runden sich mit Gewürz und Nuss, alte bieten Trockenfrüchte, Leder und lange, ruhige Nachklänge. Mit Abgang meint man, wie lange der Geschmack nach dem Schlucken bleibt und was er dabei verändert.
Als Beispiele taugen vier Häuser aus der Gegend. Père Magloire in Pont-l'Évêque, Boulard und Christian Drouin rund um Coquainvilliers sowie der Familienbetrieb Roger Groult in Saint-Cyr-du-Ronceray füllen Calvados Pays d'Auge in mehreren Altersstufen ab. Wer Häuser vergleicht, wählt dieselbe Stufe, etwa zwei VSOP, und achtet auf Fass und Frucht.
Verkostet wird in kleinen Mengen. Calvados hat mindestens 40 Prozent Alkohol, und die Nase ermüdet schnell, deshalb arbeiten Fachleute mit kleinen Schlucken und Pausen, dazwischen gibt es Wasser. Ein Tropfen Wasser im Glas öffnet manche Brände und löst Aromen, die der Alkohol festhält.