
Hügel, Hof, Haus
Region & Geschichte
Wer im Pays d'Auge von Pont-l'Évêque Richtung Cambremer fährt, sieht mehr Apfelbäume als Zäune. Die Hügel der östlichen Normandie, Lehm und Kalk unter feuchtem Meeresklima, sind die Heimat des Calvados Pays d'Auge, der Appellation mit den engsten Vorgaben unter den dreien des Calvados.
Was ist der Unterschied zwischen Calvados und Calvados Pays d'Auge? Beide sind Brände aus Apfelwein, dem Cidre, und Birnenwein, doch der einfache Calvados darf in der Brennblase oder in der Kolonne entstehen. Im Pays d'Auge ist nur die doppelte Destillation in der Brennblase erlaubt, die Birnen dürfen höchstens 30 Prozent des Rohstoffs ausmachen, und im Eichenfass liegt der Brand mindestens zwei Jahre. Ein Dekret vom 11. September 1984 hält diese Regeln fest, und die EU führt den Namen als geschützte geografische Angabe.
Gebrannt wurde auf den Höfen, lange bevor Etiketten existierten. Aus dem Cidre, der ohnehin im Keller stand, machten die Bauern einen Brand, der sich länger hielt als der Cidre selbst. Die ersten Häuser, die daraus ein Geschäft machten, entstanden im 19. Jahrhundert. Père Magloire in Pont-l'Évêque gibt 1821 als Beginn des Brennens an, Boulard nennt 1825, und auf dem Clos de la Hurvanière in Saint-Cyr-du-Ronceray begann Pierre Groult 1860 mit dem gewerblichen Brennen.
Ein jüngeres Kapitel beginnt mit Christian Drouin. Er kaufte 1960 einen Hof bei Coquainvilliers mit bereits gepflanzten Apfelgärten und ließ den Cidre zunächst von einem Wanderbrenner destillieren. Verkauft wurde nach Angaben des Hauses erst ab 1979, als sein Sohn die Marke aufbaute.
Heute stehen Familienhäuser wie Groult und Drouin neben Père Magloire, das zu Spirit France gehört. Wer sie nacheinander besucht, erlebt, wie verschieden dieselben Regeln ausgelegt werden: Fässer und Geschmack gehen auseinander, die Grundform bleibt gleich.