
Tresterbrand aus Thessalien
Region & Geschichte
Was ist Tsipouro, und warum steht er in Thessalien und Makedonien in fast jeder Taverne auf dem Tisch? Es ist ein griechischer Tresterbrand. Nach der Weinlese bleiben Schalen, Kerne und Stiele der Trauben übrig, und aus genau diesem Rest wird gebrannt. Die EU ordnet ihn derselben Kategorie zu wie den italienischen Grappa.
Der Überlieferung nach haben Mönche auf dem Berg Athos und in den Klöstern von Meteora als Erste Trester destilliert. Das ist eine Legende, keine Urkunde. Nach gängiger Darstellung breitete sich das Brennen im 15. Jahrhundert nach Makedonien, Epirus und ins übrige Thessalien aus, dorthin, wo bis heute Wein wächst.
Bis in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts entstand Tsipouro fast ausschließlich zu Hause, für die Winzerfamilie und die Nachbarn. Abgefüllt verkaufen durfte man ihn lange nicht. Erst nach der Einführung einer griechischen Alkoholsteuer im Jahr 1883 gab es Erlaubnisse, die ersten werden für 1896 genannt.
Heute schützt die EU drei Namen: Tsipouro of Tyrnavos, Tsipouro of Thessaly und Tsipouro of Macedonia. Alle drei stehen seit 1989 im Register der geschützten geografischen Angaben. Tyrnavos, eine Kleinstadt bei Larisa, ist dabei die einzige Stadt unter den griechischen Namen, sonst tragen ganze Regionen den Schutz. Als Pflicht nennt die Beschreibung des Produkts vor allem, dass Herstellung und Abfüllung im Gebiet von Tyrnavos liegen. Daneben gibt es seit 2008 die allgemeine Angabe Tsikoudia oder Tsipouro, die für das ganze Land gilt.
In Tyrnavos nennen Branchenverzeichnisse Familienbetriebe wie Katsaros und Kardasis sowie die Weinbaugenossenschaft der Stadt. In Makedonien gehört Idoniko vom Weingut Costa Lazaridi bei Drama zu den bekannten Flaschen. Auf den Etiketten stehen die geschützten Namen meist in griechischer und lateinischer Schrift, etwa Τσίπουρο Τυρνάβου neben Tsipouro of Tyrnavos.