
Kaffee mit Grappa
Essen & Brauchtum
Im Veneto gehört die Grappa zum Ende der Mahlzeit, und oft kommt sie in die Kaffeetasse. Ein caffè corretto ist ein Espresso, den man mit einem kleinen Schuss Grappa „korrigiert“, der Kaffee bekommt Wärme, und die Grappa wird weicher. Beim ammazzacaffè folgt sie getrennt, in einem eigenen Glas nach dem Espresso.
Die venetische Spielart heißt resentin, der kleine Spüler. Man trinkt den Espresso aus, gießt einen Spritzer Grappa in die leere Tasse, schwenkt ihn kurz und trinkt ihn in einem Zug. So nimmt die Grappa Reste von Kaffee und Zucker mit und erzählt, wie praktisch die Region denkt.
Im Frühling steht Bassano im Zeichen des weißen Spargels. Der Spargel von Bassano del Grappa mit geschützter Ursprungsbezeichnung wächst unter Sandhügeln und bleibt deshalb weiß. Klassisch kommt er mit gekochtem Ei, Olivenöl und Essig auf den Tisch, oder er landet als zarte Zutat im Risotto.
Herzhafter geht es mit Baccalà alla vicentina zu, dem getrockneten Stockfisch, der lange schmort und mit Polenta serviert wird. Ein weiterer Begleiter ist der Asiago, ein Käse von der Hochebene nördlich der Stadt. Beide Gerichte sind fett und salzig, und eine kleine Menge Grappa kann danach den Gaumen aufräumen.
Zum Brauchtum gehört der Gang auf die Brücke. Nach dem Abendessen laufen viele Bassaneser über den Ponte degli Alpini, dem Fluss entgegen, und kehren in einer der Bars an den Ufern ein, wo oft ein Gläschen Grappa zum Gespräch gehört. Dort wird sichtbar, wie eng Stadt, Kaffeehaus und Brennerei verbunden sind.