Die kurze Antwort
Amaro ist der italienische Name für Bitterlikör. Dahinter steht eine ganze Familie sehr unterschiedlicher Flaschen. Kräuter, Wurzeln, Süße und Alkoholstärke schwanken stark. Ein Amaro ersetzt einen anderen deshalb nicht einfach so.

Bitterkeit hat viele Gesichter
Ein Amaro kann zitrisch schmecken, kräutrig, nach Menthol, würzig oder nach dunklen Röstaromen. Süße und Bitterkeit stehen dabei fast immer nebeneinander. Das Wort Amaro auf dem Etikett sagt dir noch nicht, wie kräftig der Inhalt ist. Auch die Farbe verrät weder die Rezeptur noch den Zuckergehalt.
Die Bandbreite ist größer als bei fast jeder anderen Kategorie. Ein Amaro kann leicht und zitrisch sein wie ein Aperitif. Er kann genauso dickflüssig und dunkel sein wie ein Digestif. Aperitif heißt: vor dem Essen. Digestif heißt: danach. Die Rezepturen sind meist Familiengeheimnisse und enthalten Dutzende Kräuter, Wurzeln und Rinden.
Grob sortieren lässt sich das Regal nach Herkunft. Aus dem Norden kommen oft alpine Stile, kräutrig und mentholig. Aus dem Süden eher zitrische oder karamellig-dunkle. Als Orientierung taugt das mehr als der Preis.
Bitter ist für viele zunächst ein Warnsignal. Kaffee ohne Zucker und dunkle Schokolade gehen in dieselbe Richtung. Wer damit gut zurechtkommt, findet im Amaro-Regal schnell etwas Passendes.
Amaro, Aperitivo und Cocktailbitters
Ein Amaro ist trinkfertig. Cocktailbitters sind etwas ganz anderes: stark konzentrierte Würze, die man spritzerweise dosiert. Die beiden zu verwechseln ruiniert den Drink. 30 ml Amaro lassen sich nicht durch 30 ml aromatische Bitters ersetzen.
Das Wort Aperitivo steht auf einer Flasche meist für einen leichteren Bitter, den man vor dem Essen trinkt. Es beschreibt also eher den Anlass als eine feste Rezeptur. Zwei Flaschen mit diesem Wort können sehr verschieden schmecken.
Dazwischen stehen die roten Aperitifbitter. Geschmacklich überschneiden sie sich mit manchem Amaro. Im Rezept haben sie trotzdem oft eine eigene Rolle. Lies also genau, was dort steht, und tausche nicht nach Farbe.

Pur, mit Soda oder im Cocktail
Am einfachsten lernst du einen Amaro pur mit Eis kennen. Etwas Soda verdünnt ihn und macht den Einstieg leichter. Eine kleine Probe genügt für den ersten Eindruck.
Zu Hause brauchst du dafür kein Gerät. Ein kurzes Glas, ein paar Eiswürfel und eine Flasche Soda reichen aus. Miss die erste Menge trotzdem ab, damit du beim nächsten Mal weißt, wovon du ausgehst.
Im Cocktail schwankt die Dosierung erheblich. Im Paper Plane ist ein bestimmter Amaro Teil der Balance mit Bourbon, Aperitivo und Zitrone. Im Hanky Panky genügt schon wenig Fernet, um Gin und Wermut deutlich zu verändern. Wie viel nötig ist, hängt am konkreten Produkt.
Taste dich deshalb heran. Nimm beim ersten Versuch weniger, als du für richtig hältst. Nachgießen kannst du immer, herausnehmen nicht.
Einen passenden Stil finden
Frag im Laden nach dem beherrschenden Profil. Sag dazu, was du nicht magst. Magst du kein Menthol, hilft dir die pauschale Empfehlung eines kräftigen Fernet wenig. Probiere nach Möglichkeit vor dem Kauf, zum Beispiel in einer Bar.
Bitterkeit ist Gewöhnungssache, und zwar mehr als jeder andere Geschmack. Schreckt dich der erste Versuch ab, fang mit einem leichteren Stil und viel Soda an. Nach ein paar Wochen schmeckt derselbe Amaro anders. Das liegt an dir, nicht an der Flasche.
Eine alte Kräutertradition beweist keine Wirkung auf den Körper. Wähle einen Amaro nach Geschmack aus, nicht wegen einer behaupteten Verdauungshilfe.