
Trüffel und Haselnuss
Essen & Brauchtum
Im Herbst, wenn in Alba die weißen Trüffel gehandelt werden, liegen in den Langhe Tajarin auf den Tellern: schmale Eierbandnudeln aus den Bauernhäusern der Langhe, die früher an Feiertagen gemacht wurden, wenn genug Eier da waren. Frisch gehobelter Trüffel liegt darüber, mehr braucht das Gericht nicht.
Zum Schmorgericht der Region, dem Brasato al Barolo, ist Grappa ein Gast am Ende des Essens. Rindfleisch wird in Barolo eingelegt und lange geschmort, bis es zerfällt; was danach noch Platz hat, ist ein kleiner, klarer Brand, der den Mund aufräumt. Kräftige Käse sind der zweite Partner, und für die Moscato-Grappa gilt das nach Angaben des Grappa-Instituts besonders.
Das zweite Gewürz der Region ist die Haselnuss. Die Tonda Gentile aus den Langhe wanderte schon früh in die Schokolade: Turiner Chocolatiers streckten damit den teuren Kakao und erfanden so den Gianduja. Torrone d'Alba mit Honig und Haselnüssen und die Haselnusstorte gehören dazu. Gegen so viel Süße hilft die trockene Grappa, deren Würze Fett und Zucker nicht überdeckt.
Im Piemont steht Grappa am Ende, nicht zum Essen. Wer nach dem Espresso einen Schuss in der Tasse hat, trinkt einen Caffè corretto, wie in ganz Italien. Zur Trüffelzeit findet in Alba eine große Trüffelmesse statt, und das Essen rundum folgt der Saison. Wichtig bleibt die Menge: ein kleines Glas zum Abschluss, nicht mehr.
Auch die Küche der Langhe kennt Fleisch und Käse, die einen Brand vertragen: Fassona-Rind, das für den Brasato bis zu einen Tag in Rotwein eingelegt wird, und gereifte Schnittkäse, die am Tellerrand mit Honig oder Nüssen landen. Die Grappa gehört dann zum Ende der Tafel, wenn die Teller abgeräumt sind und das Gespräch langsamer wird.