
Tulpe, nicht Stamper
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Wie schmeckt Grappa di Barolo? Ungereift duftet sie nach roten Beeren, Rosenblättern und Gewürzen, am Gaumen wirkt sie kräftig, trocken, mit leicht herber Note im Nachhall. Ein Jahr oder länger im Holz dazu, und aus der Würze wird Vanille, Tabak und getrocknete Frucht. Die Grappa di Moscato daneben ist leichter, blumiger und fast süßlich im Duft, trocken im Mund.
Für den Vergleich eignet sich ein schmales Tulpenglas oder Nosing-Glas, das die Aromen zur Öffnung führt, statt den Alkohol breit zu verteilen. Wer zuerst aus Abstand riecht und erst dann tiefer einatmet, lässt die Nase nicht betäuben. Ein Tropfen Wasser kann die Aromen öffnen, muss aber nicht sein.
Temperatur: Gereifte Grappa passt auf Raumtemperatur, etwa 16 bis 18 Grad. Weiße, junge Brände dürfen etwas kühler stehen, aber nie so, dass das Aroma zufriert. Kalt wird die Nase stumm, warm sticht der Alkohol.
Beim Probieren genügt ein kleiner Schluck, den man kurz im Mund lässt, bevor man schluckt; es geht ums Vergleichen, nicht ums Austrinken. Wer mehrere Brände nacheinander prüft, stellt ein Glas Wasser und ein Stück Brot daneben und beginnt mit dem hellsten, leichtesten Brand. So bleibt der Gaumen frisch, und die zarte Moscato-Grappa wird nicht von der kräftigen Nebbiolo-Grappa überdeckt.
Als Beispiele bieten sich drei Häuser an, die man vergleichen kann. Bocchino aus Canelli gilt als Haus des Moscato-Tresters. Berta aus Mombaruzzo hat nach Angaben des Hauses 35 Grappe und sechs Liköre im Programm und verkauft die Hälfte davon im Ausland. Marolo aus Mussotto d'Alba steht für Nebbiolo, Moscato und Arneis. Ein Dreiervergleich zeigt in Minuten, wie unterschiedlich Trester von Nord bis Süd der Langhe schmecken kann.