
Supra und Tamada
Essen & Brauchtum
Bei einer Supra wird nicht einfach gegessen: Ein Tamada, der Tafelmeister, führt durch den Abend. Er wird von der Runde bestimmt und spricht nacheinander Trinksprüche aus, die nach einer festen Abfolge Themen wie Frieden, Heimat, Vorfahren und Familie berühren. Die Gäste ergänzen den Spruch und heben dann gemeinsam das Glas. Mit Chacha oder Brandy wird in der Regel erst zum Ende des Mahls angestoßen, der Tafelwein trägt den Abend.
Auf dem Tisch stehen Khachapuri, das Käsebrot, das je nach Region gefüllt oder offen gebacken wird, Khinkali, gedrehte Teigtaschen mit heißer Brühe im Inneren, und Pkhali, kalte Pasten aus Gemüse und Walnüssen. Die bootsförmige Variante aus Adscharien trägt in der Mitte ein Ei. Dazu kommt Mtsvadi, Fleisch vom Spieß, das in Kachetien oft über Rebholz gegrillt wird.
Zum Brand passen vor allem die kräftigen, fetten Gerichte, weil der Alkohol und die Gerbstoffe den Mund wieder frisch machen. Eine kräftige Chacha hält gegen Khinkali oder gegrilltes Fleisch stand, ein gereifter Brandy begleitet eher Walnüsse und Käse. Sulguni, ein salziger, elastischer Käse aus Samegrelo im Westen, kommt frisch oder gebraten auf den Tisch.
Zum Schluss kommt Churchkhela auf den Teller, eine Kette aus Walnüssen, die in eingedickten Traubensaft getaucht und getrocknet wird. Gerade im Herbst hängen die Ketten in vielen Dörfern zum Trocknen.
In Tiflis feiert die Stadt im Herbst das Fest Tbilisoba mit Musik und Tanz sowie Essen aus den Regionen des Landes. Der Gast gilt in Georgien als Geschenk Gottes, heißt es dort sprichwörtlich, und entsprechend üppig fällt der Tisch aus. Getrunken wird in kleinen Schlucken, und Brände sind kein Wettbewerb; ein Glas darf auch einfach stehen bleiben.