
Most, Dirndl, Blüte
Essen & Brauchtum
Zu einem Mostbratl, einem Schweinsbraten, der mit Most zubereitet wird, gehört im Mostviertel auch ein Glas Most oder Birnenmost. Die Birne bringt Frucht und eine leichte Säure, die zum fetten Fleisch passt. Ein kleiner Birnenbrand danach wirkt wie ein Punkt hinter dem Satz.
Im Pielachtal wandert das Dirndl in Marmelade und Saft, und aus den gleichen Früchten entsteht der Dirndlbrand. In Frankenfels, Kirchberg an der Pielach und Rabenstein kennt man die Frucht von klein auf. Weil sie roh sehr herb schmeckt, braucht sie Zucker, Zeit und die Hefe.
Hilft ein Schnaps nach dem Essen der Verdauung? Belegt ist eher das Gegenteil, denn Alkohol verlangsamt die Magenentleerung. Das Gefühl der Erleichterung ist also Entspannung und keine schnellere Verdauung. Nach Mostbratl und Birnenmost ist ein kleiner Birnenbrand ein Abschluss, kein Verdauungsmittel.
Das größte Fest ist die Birnbaumblüte. Wenn die Bäume an der Moststraße im Frühjahr weiß werden, öffnen Mostheurige und Höfe ihre Türen, und die Mostbarone, die als Kenner der Mostkultur gelten, geben ihr Wissen weiter. Unter dem Titel „Die Moststraße brennt“ gibt es Workshops, in denen man erfährt, was Brand, Geist und Likör unterscheidet.
So lebt die Gegend vom Obst, und das Brauchtum folgt dem Baum: Blüte im Frühjahr, Dirndl-Ernte ab Mitte August, dann Birnen, Most und Brand. Die Birne prägt den Kalender des Mostviertels, das Dirndl den Spätsommer im Pielachtal.