
Tulpe und Zimmerwärme
Verkosten
Ein Birnenbrand aus dem Mostviertel zeigt sich in einer kleinen Tulpe oder einem Nosing-Glas am besten, weil sich dort die Aromen sammeln und nicht gleich entweichen. Das Glas hat einen schlanken Stiel und eine Öffnung, die enger ist als der Bauch.
Zimmerwärme reicht, um die 16 bis 18 Grad sind ein guter Wert. Zu kalt, und die Frucht bleibt verschlossen, zu warm, und der Alkohol überdeckt alles. Man riecht zuerst, ohne das Glas zu schwenken, und nimmt dann einen kleinen Schluck, den man kurz im Mund lässt.
Beim Original Pielachtaler Dirndlbrand fällt die süße Frucht auf, darunter liegt ein feiner Ton, den man Trüffel nennt. Der Abgang ist lang und mild. Bei Mostbirnen zeigt sich die reife Birne mit einer herben Kante.
Als Beispiel für einen Brand aus Mostbirnen stehen die Mostbarone, die diese Frucht in der Region erhalten und verarbeiten, zu ihnen zählen Doris und Josef Farthofer. Auch die Messe Wieselburg zeichnet Brände und Moste aus, etwa mit „Das goldene Stamperl“ und „Die goldene Birne“.
Aus dem Elsbeerreich rund um Michelbach kommt ein Elsbeerenbrand, den man wegen der kleinen Mengen selten findet. Er schmeckt feiner und leiser als die Birne, mit einer leichten Herbe im Hintergrund. Wer drei Gläser nebeneinander stellt, merkt schnell, dass Dirndl süßlich wirkt, Birne kräftig und Elsbeere zurückhaltend.
Weil alle drei farblos sind, verrät das Auge nichts, und die Nase entscheidet. Deshalb lohnt es sich, nach jedem Glas einen Moment zu warten und zwischendurch Wasser und ein Stück Brot zu nehmen.