
Torte, Knödel, Most
Essen & Brauchtum
Zur Linzer Torte passt ein Quittenbrand besser, als man denkt. Ihr Mürbteig mit gemahlenen Nüssen, Gewürzen und Ribiselmarmelade bringt Säure und Würze mit, und der herbe Brand nimmt die Süße ernst, ohne sie zu überdecken. Das Gitter aus Teig auf der Oberseite ist das Kennzeichen der Torte.
Auf dem Land gehört zum Mostjahr der Mostkost. Beim Mostkosten, das in den 1980er Jahren neue Beliebtheit bekam, zeigen Höfe im Hausruck ihre Weine aus Birnen und Äpfeln. Früher stellten Mostbauern in guten Jahren über 500 Hektoliter her, und in vielen Familien trank man den Most verdünnt, Frauen und Kinder besonders.
Zu einer Brettljause mit Geselchtem, Speck und Käse schmeckt ein herber Mostbirnenbrand am Ende. Auch zu einem Speckknödel mit Sauerkraut passt ein kleiner Schluck eines Brandes aus Birnen, weil die Frucht dem Fett etwas entgegensetzt. Das Glas steht traditionell am Ende der Mahlzeit, nicht dazwischen.
Der Brand ist in Oberösterreich Gastlichkeit, kein Trinkspiel. Ein kleines Glas Edelbrand wird angeboten, wenn Gäste kommen, und es bleibt beim kleinen Glas. Wer nach Brauchtum fragt, bekommt am Hof meist erst einmal Most und Brot gezeigt.
Der Edelbrand, der in Axberg entsteht, gehört nicht in die Hausruck-Küche, sondern in die Welt der Restaurants. Schon der Weg der ersten Flaschen von 1995 führte in die Wiener Gastronomie. Beide Welten, die bäuerliche mit Most und die feine mit Edelbrand, existieren in Oberösterreich nebeneinander.